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Zartbesaitet. Wenn Geburt besonders sensibel wird …

Schwangerschaft & Geburt sind ja per se schon sehr sensible Phasen im Leben einer Frau. Wir sind besonders empfindlich, schnell verletzt, schmeißen jedes Wort in die Waagschale und reagieren auf nett gemeinte Tipps, als würde uns die ganze Welt bevormunden wollen.
Hat sich das Leben mit dem Nachwuchs erst mal eingespielt, gelingt es manchen Frauen spielend in ihre alte Rolle zurückzukehren, während andere mit sich selbst und den Geschehnissen der Geburt hadern. Irgendwie hatten sie sich das Gebären ganz anders vorgestellt. Die Gefühlswelt mancher Mama liegt irgendwo zwischen „unbefriedigt“, „traumatisiert“ bis hin zu „vergewaltigt“. Die Aktion Roses Revolution, an der Mütter jedes Jahr im November eine Rose an der Kreissaaltür niederlegen zeigt deutlich, wie viele Frauen kein glückliches positives Geburtserlebnis hatten. Sind diese Frauen anders? Sind diese Frauen empfindlich? Sensibel? Hypersensibel? Hochsensibel?

Erfahre hier mehr im Gastinterview mit Monika Richrath:

Liebe Monika,
Ich habe Dich als Expertin für Hochsensibilität kennengelernt. Bitte erklär uns doch diesen Begriff.

Monika Richrath, EFT für hochsensible Menschen
Monika Richrath, EFT für hochsensible Menschen

Der Begriff der „Hochsensibilität“ wurde von der amerikanischen Psychologin Elaine Aron geprägt. Es geht dabei um Menschen, die sich als „anders“ empfinden, anders fühlen, andere Wertvorstellungen haben, häufig Idealisten sind etc.

Kürzlich hat sich in einem wissenschaftlichen Versuch herausgestellt, dass die Gehirne hochsensibler Menschen tatsächlich anders reagieren. Bestimmte Gehirnbereiche waren besser durchblutet als bei anderen: die Bereiche, die für Aufmerksamkeit und Sinneseindrücke zuständig sind und die Bereiche, die mit Einfühlungsvermögen und Emotionsverarbeitung zu tun haben. Letztendlich bedeutet es, dass man aufgrund eines physiologisch anders arbeitenden Gehirns „anders tickt“. Interessant ist, dass die „anders Tickenden“ eine wirklich große Menschengruppe ist, man geht von 15-20 % aus – allerdings wissen die Meisten gar nichts davon.

Was bedeutet es hochsensibel zu sein?

Als hochsensibler Mensch reagiere ich besonders empfindlich auf Reize jedweder Art. Ich nehme in einem bestimmten Zeitraum mehr Reize auf als andere Menschen, bin daher schneller erschöpft und brauche mehr Regeneration. Die Reize können sowohl von außen kommen, z. B. in Form von Lärm oder Aufregung, aber ich kann sie durchaus auch selbst produzieren in Form von Gedanken, von denen ich einfach nicht loskomme. Hypersensitive Menschen können z. B. tagelang nachgrübeln über kleine Bemerkungen, die von anderen achtlos dahingesagt werden. Ganz kurz gesagt: man nimmt alles sehr leicht auf, lässt es aber nur schwer wieder los.

Wenn wir uns eine typische Geburtssituation vorstellen: Krankenhaus, grelles Licht, neuartige Gerüche, Hektik, Schichtwechsel, fremde Menschen … Wie kann sich dies auf eine hochsensible Frau auswirken?

Hypersensitive Menschen sind besonders stressanfällig, d.h. der Geburtsstress wird sich für eine hochsensible Frau vervielfältigen. Da jede der oben genannten Faktoren an sich eine potentielle Stressquelle sind, können sie die Nervosität und Aufregung weiter steigern. Ein ruhiger Rahmen, in dem die Gebärende mit ihren Bedürfnissen ganz im Mittelpunkt steht ist sicherlich wesentlich geeigneter.

Viele Frauen berichten, dass sie im Vorfeld positiv und locker an die Geburt herangegangen waren, dann aber die Ereignisse sie regelrecht überfordert und überwältigt haben. Macht es also Sinn, sich besser mit den persönlichen Eigenheiten zu beschäftigen? Wie kann ich denn herausfinden, ob ich hochsensibel bin?

Ganz unbedingt macht es Sinn, sich mit den persönlichen Eigenarten zu beschäftigen, denn nur so kann eine Frau herausfinden, was für sie wichtig ist, was sie braucht, um sich sicher und wohl zu fühlen. Auf meiner Webseite gibt es eine Auflistung mit Symptomen, die man sich anschauen kann. Darüber hinaus kann man auf der Seite von zartbesaitet einen Test machen. Eine wissenschaftliche Bewertung gibt es bislang nicht. Letzten Endes zählt die eigene Einschätzung.

Monika, Du erwähntest, dass man eine Hochsensibilität nicht loswerden kann. Wie können betroffene Frauen damit umgehen?

Hochsensible Menschen leiden häufig unter einem chronisch erhöhten Stress-Level. Daher ist es ganz wichtig, dieses abzubauen, damit man leichter mit dem alltäglichen Stress umgehen kann. Eine kontinuierliche Form der Stressbewältigung ist daher wirklich wichtig. Meine Wahlmethode ist die EFT Klopftechnik. Sie ist superleicht zu lernen, unglaublich effektiv und kann jederzeit und überall ohne weitere Hilfsmittel angewandt werden. 5- 10 Minuten klopfen am Tag reichen aus, um ein chronisch erhöhtes Stresslevel langfristig abzubauen. Hier gibt es eine kleine Klopfanleitung.

Kann EFT Klopfen eine zusätzliche Maßnahme zur Geburtsvorbereitung sein?

Ganz unbedingt. Es gibt jede Menge körperlicher Veränderungen. Das Leben, wie es vor der Schwangerschaft war, wird ja vollkommen auf den Kopf gestellt!
Schwangerschaft und Geburt sind  mit vielen Ängsten und Schwierigkeiten verbunden, z. B. Wie wird sich die Partnerschaft verändern? Oder, falls eine Frau alleinerziehend ist: Kann ich das alles schaffen? Wird alles gut gehen? Wird mein Kind gesund sein? Bin ich all dem gewachsen?

Am sinnvollsten wäre es natürlich zu Beginn der Schwangerschaft zu klopfen, aber ein Einstieg ist quasi jederzeit möglich.

Kann Klopfen auch während der Wehen unter der Geburt eingesetzt werden?

Sicherlich. Sinnvoll wäre es, vorher schon einige Übung zu haben, damit die Betreffende weiß, wie sie reagiert und wie es für sie gut ist. Richtige Klopfdurchgänge während der Geburt fände ich eher schwierig. Die Gebärende ist dann vermutlich auf viele andere Sachen konzentriert und könnte durch das Klopfen eher noch zusätzlichen Stress erleben. Ich würde das Klopfen der Notfallpunkte am Schlüsselbein und der Handkante empfehlen, oder sogenanntes „Leerklopfen“, das heißt, alle Punkte werden beklopft ohne dass ein Belastungssatz formuliert wird. Noch besser wäre es natürlich, eine EFT-Praktikerin ist bei der Geburt mit dabei und beklopft sich stellvertretend für die Gebärende, so dass diese eine praktische Unterstützung bekommt ohne sich großartig um Einzelheiten kümmern zu müssen.

Worauf möchtest Du noch aufmerksam machen?

Supersensibilität ist keine Krankheit, sondern einfach eine besondere Veranlagung des Gehirns. Dennoch gibt es häufig einen sehr hohen Leidensdruck bei hypersensitiven Menschen. Gerne möchte ich darauf hinweisen, dass es sinnlos ist, die eigene empfindsame Veranlagung ignorieren zu wollen. Das kann immer nur nach hinten losgehen. Hochsensibilität betrifft alle Lebensbereiche und es ist wichtig, dass Supersensible ihr Leben entsprechend ihren Bedürfnissen einrichten. Nur so kann man entdecken, was für ein unglaubliches Geschenk Hochsensibilität ist, welch ein Empfindungs- und Wahrnehmungsreichtum einem dadurch geschenkt wird.
Zu guter Letzt, hochsensible Mütter haben vermutlich auch hochsensible Kinder, die auch wieder besondere Bedürfnisse haben. Das Wissen darum kann das Leben für Mütter und Kinder wesentlich erleichtern.

Vielen Dank, liebe Monika, für dieses Interview.

Das Projekt „Meisterin der Geburt“ hat sich zum Ziel gesetzt, anderen Frauen wichtige Impulse zu geben, um eine Geburt selbstbestimmt zu meistern.

Dein Beitrag ist ein wichtiger Teil einer neuen Geburtskultur. Im Namen der Blogleserinnen und in meinem eigenen Namen bedanke ich mich herzlichst.
J. Schenk

Erfahre hier mehr über Monika Richrath und EFT für Hochsensible Menschen.

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