Bericht 2023

Wie viele Frauen erlebten 2023 eine Alleingeburt – geplant oder ungeplant? Wie sicher ist diese Gebärform wirklich? Und was sagen die Zahlen zu Abbrüchen, Verletzungen, Kaiserschnitten oder der berühmten Glückshaube?

In meiner laufenden, freiwilligen Erfassung aus dem deutschsprachigen Raum (D-A-CH) und von deutschsprachigen Müttern im Ausland sind insgesamt 186 Alleingeburten für 2023 eingegangen – die größte transparente Sammlung, die es derzeit zu diesem Thema gibt.

Die Ergebnisse überraschen viele: 

  • Abbruch-/Verlegungsrate bei geplanten Alleingeburten: nur 4,88 %
  • Kaiserschnittrate: 1,63 %
  • 7 von 10 Frauen bleiben verletzungsfrei 
  • Glückshaube bei 9 Geburten 
  • Und ja: leider auch ein tragischer mütterlicher Todesfall, den wir nicht verschweigen.

Hier findest du die detaillierten Zahlen zu Ländern, Geburtslagen, Wassergeburt vs. an Land, ungeplanten Fällen und dem Vergleich zum Vorjahr. Alles basierend auf echten Meldungen – ohne Gewähr, aber mit maximaler Offenheit. Lies weiter und bilde dir dein eigenes Bild zu Freien Geburten.

Anzahl der erfassten Alleingeburten in D-A-CH sowie deutschsprachiger Frauen im Ausland

Erfasst wurden 186 Geburten im deutschsprachigen Raum bzw. deutschsprachiger Mütter im Ausland, davon in:

  • 🇩🇪Deutschland: 140
  • 🇦🇹Österreich: 10
  • 🇨🇭Schweiz: 12
  • 🏳️anderes Ausland: 24 -> Bosnien (1), Dom. Republik (1), Ecuador (1), Frankreich (1), Großbritannien (1), Italien (5), Mexiko (1), Nicaragua (1), Norwegen (2), Paraguay (1), Polen (1), Portugal (2), Rumänien (1), Russland(1), Spanien (2), Türkei (2)

Insgesamt gingen 123 geplante und 61 ungeplante Alleingeburten in die Erfassung ein. Von zwei (2) weiteren war der Plan nicht bekannt.

Geplante Alleingeburten 2023

  • Geplant und begonnen wurden 123 Alleingeburten, davon wurden 117 auch als solche durchgeführt.
  • Sechs (6) geplante Alleingeburten wurden unter der Geburt abgebrochen, dadurch ergibt sich für 2023 eine Abbruchrate bzw. Verlegungsrate von 4,88 % .
  • Drei (3) abgebrochene Alleingeburten wurden, nach der selbstbestimmter Verlegung in eine Klinik, jeweils als Vaginalgeburt, mit Interventionen, beendet.
  • Bei einer (1) Alleingeburt sollte fremdbestimmt eine Verlegung ins Krankenhaus erfolgen, die Mutter gebar ihr Kind schließlich im Rettungswagen ohne weitere Interventionen.
  • Zwei (2) geplante Alleingeburten wurden, nach selbstbestimmter Verlegung ins Krankenhaus, mittels Kaiserschnitt beendet. Kaiserschnittrate 1,63 %.
  • Im Nachgang einer durchgeführten Alleingeburt gab es fünf (5) Verlegungen ins Krankenhaus, davon viermal (4) selbstbestimmt aufgrund mütterlicher Probleme und einmal (1) fremdbestimmt. Die nachgeburtliche Verlegungsrate beträgt für 2023 derzeit 4,27 % .

Ungeplante Alleingeburten 2023

  • Ungeplante Alleingeburten erlebten 61 Gebärende. Jedoch waren einundvierzig (41) von ihnen bereits planmäßig auf eine Hausgeburt vorbereitet und gebaren ihr Kindchen schon mal ohne die Anwesenheit der Hebamme. Zwanzig (20) Kinder sollten eigentlich im Krankenhaus zur Welt kommen, doch sechs (6) Mütter gebaren ihr Kind bereits zu Hause, dreizehn (13) im Auto und eine (1) auf einem Schiff (Fähre). Alle neunzehn Geburten die im Krankenhaus geplant waren, wurden nach erfolgreicher Geburt trotzdem „vorsichtshalber“ noch dorthin verlegt.

Unbekannter Plan bei durchgeführter Alleingeburt

  • Eine (1) Alleingeburt, deren eigentlicher Geburtsplan bzw. -ort nicht bekannt ist, kann hier nachgelesen werden.
  • Eine (1) Alleingeburt, deren Plan unklar und im Rahmen eines Gerichtsverfahrens verhandelt wird, kann hier nachgelesen werden.

Geburtslagen der erfassten Kinder

Innerhalb dieser Alleingeburtenerfassung wurden 2023 insgesamt 188 Kinder geboren, da es zwei Zwillingspaare gab. Die Geburtslagen gliedern sich insgesamt folgendermaßen auf:

  • in Schädellage: 180, davon neun (9) Kinder als Sternengucker (Hintere Hinterhauptslage), fünf (5) Kinder mit Hand oder Arm am Kopf (Superman-Pose), sowie
  • in Beckenendlage: 5.
  • ohne Angabe/unbekannt: 3

Die „Glückshaube“, also die Geburt in intakter Fruchtblase, trat insgesamt neun (9) Mal in Erscheinung.

Geburtsmedium: Wassergeburt oder an Land?

(Alle durchgeführten -nicht abgebrochenen- Alleingeburten; n=180)

Zum Zeitpunkt der Austrittsphase befanden sich die Gebärenden:

  • im Trockenen/ „an Land“: 124
  • im Wasser: 48
  • ohne Angabe: 8

Geburtsverletzung

Hattest Du eine Geburtsverletzung?, insgesamt 140 Mütter mit durchgeführter Alleingeburt beantworteten diese Frage; davon:

  • nein, nichts: 73
  • ja, aber nur Schürfung: 30
  • ja, Rissverletzung: 37

Die Geburtsverletzungsrate -der Definition nach eine Rissverletzung- liegt somit bei niedrigen 26 %. Mit anderen Worten: Im Jahr 2023 blieben 7 von 10 Mütter bei einer Alleingeburt verletzungsfrei.

Sterblichkeit

🎚️Bedauerlicherweise ging für das Jahr 2023 –getätigt durch eine Hausgeburtshebamme– die Meldung eines mütterlichen Todesfalles im Rahmen einer Alleingeburt ein. Nach der Geburt ihres 6. Kindes sollen bei dieser Mutter Blutungen aufgetreten sein, die postpartal zum Tode führten.


Alleingeburten im Jahresvergleich

Die Anzahl der gemeldeten und recherchierten Alleingeburten 2023 sank im Vergleich zum Vorjahr 2022 insgesamt um 16 %, in der Gruppe der geplanten Alleingeburten sogar um 24 %. Deutschlandweit war im selben Zeitraum die Geburtenziffer um 8 % eingebrochen.

Da diese kumulierende Erfassung kein Enddatum hat, können auch in Folgejahren noch Geburten zum Jahr 2023 gemeldet und nachgetragen werden.

Zudem bildet diese Studie nicht die absolute Menge an Alleingeburten und deren Ergebnisse ab, sondern nur den Teil, der aufgrund freiwilliger Meldungen durch die Mütter oder aufgrund der Recherche ermittelt und herausgearbeitet werden konnte. Trotz höchster Konzentration und bestem Gewissen gilt: Alle Angaben ohne Gewähr.

Jobina Schenk

Weitere aufschlussreiche Ergebnisse findest Du in: Die Wahrheit über Alleingeburten*

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