Ein Kaiserschnitt und zwei schmerzfreie Geburten

Kann eine Geburt wirklich schmerzfrei sein? Sie gehört ja fast zum größten Zweifel im Leben einer Frau, die schmerzfreie Geburt. Und doch gibt es sie! Wenn  Gastautorin Marie ihrem Umfeld von ihren zwei schmerzfreien Geburten berichtet, dann erntet sie ungläubige Blicke. Eine schmerzfreie Geburt gehabt zu haben scheint noch skandalöser zu sein als die Tatsache, dass sie zwei ihrer Kinder außerklinisch zur Welt gebracht hat.

Lies mal, wie sich 3fach-Mama Marie von einer Geburt zur nächsten entwickelt hat:

Mein erstes Kind

Ich war 21 Jahre jung und mitten im Studium. Das Schwangerwerden hat sofort geklappt und mein erster Weg führte mich sofort zum Frauenarzt, um im Ultraschall die Schwangerschaft bestätigen zu lassen. Mein Wunsch nach Hebammenbetreuung und außerklinischer Geburt war damals schon vorhanden. Aufgrund der „hohen“ Kosten für die Rufbereitschaft haben mein Mann und ich von diesem Wunsch wieder Abstand genommen. Wir waren naiv und konnten uns nicht vorstellen, dass dieses Geld klug investiert gewesen wäre. Also wollte ich Vor- und Nachsorge bei einer Hebamme machen. Leider habe ich mich in der ausgewählten Hebammenpraxis nicht gut aufgehoben gefühlt. So kam es, dass ich die Vorsorge komplett bei meinem Frauenarzt gemacht habe und den Geburtsvorbereitungskurs bei einer Hebamme aus der späteren Geburtsklinik.

Ich habe mich immer wie eine von vielen gefühlt, nicht besonders beachtet und nur abgefertigt. Nie wurde mit mir über meine Wünsche und Vorstellungen geredet, sondern ich wurde zu einer braven Patientin erzogen. Selbst die Hebamme sagte uns, dass wir einfach tun sollen, was uns gesagt werden würde. Ich erwartete dennoch eine natürliche Geburt und wollte keine Schmerzmittel. Ich hatte Vertrauen in meinen Körper und wollte mich mit Horrorgeschichten nicht kirre machen lassen.. Mit dem Thema Geburt habe ich mich deshalb gar nicht weiter beschäftigt.

Zwei Wochen vor dem errechneten Termin wurde es dann nach einer völlig komplikationslosen Schwangerschaft turbulent. Mein Thrombozytenwert, der die gesamte Schwangerschaft schon nur um 124 lag (normal sind über 150), sank auf 116. Das wurde meinem Frauenarzt zu heikel, obwohl er bisher alles für unproblematisch hielt und ich mich deswegen nicht weiter um das Thema Blutwert gekümmert habe. Er schickte mich in die Entbindungsklinik, um die Geburt unter diesen Umständen zu besprechen. Dort drucksten alle etwas rum und ich gewann den Eindruck, dass sich keiner verantwortlich fühlen wollte. Ich wurde in die hämatologische Ambulanz der Uni Klinik geschickt, eine fachkundige Meinung einholen. Dort ließ man sich auch nicht zu mehr hinreißen, als die Geburt durch sofortiges Einleiten möglichst schnell zu bewerkstelligen.

So fand ich mich in der 39. Woche also im Kreissaal wieder und wurde unter enger Überwachung der Blutwerte eingeleitet. Sieben Tage lang mit allem was die Pharmazie so hergab, aber ohne eine einzige nennenswerte Wehe. (Heute denke ich, dass ich unterbewusst verhindert habe, dass die Geburt losging. In mir hat sich alles dagegen gesträubt und ich habe im Anschluss lange bedauert, dass ich nicht auf meine innere Stimme gehört habe.)

An 39+2 wurde es dem zuständigen Arzt dann zu bunt. (Mein Mann hörte noch, dass er auf dem Flur mit der Assistenzärztin diskutierte, dass man das vor der Krankenkasse nicht mehr rechtfertigen könne). So kam er in den Kreissaal, sah und sprach das erste Mal mit mir, behauptete, die Thrombozyten-Werte waren jetzt zu schlecht um weiter abwarten zu können und der Kaiserschnitt wurde veranlasst.

Ich bekam kein Bonding und es wurde überhaupt nicht auf mich Rücksicht genommen, auch dass ich weinte hat niemanden interessiert. Für die Belegschaft war es Routine und für mich wurde ein heiliger Moment entweiht. Alle Untersuchungen am Baby wurden ohne mich gemacht und ich bekam meine Tochter “fertig” in den Arm gelegt und das sollte es dann gewesen sein…

Es hat neun Monate gedauert, bis ich in der Lage war meine Gefühle zu kanalisieren. Bis dahin war alles sehr aufgewühlt in mir. Ich konnte meine Tochter niemandem abgeben, ich bin fast hysterisch geworden, als mein Mann einmal mit ihr spazieren gegangen ist. Wir haben in der Zeit sehr viel gestritten. Schlussendlich musste ich eine Therapie mit einer Psychologin machen. Diagnose Posttraumatische Belastungsstörung. Auch nach Beendigung dieser Therapie blieb noch Angst vor einer weiteren Schwangerschaft und sehr viel Unbehagen in Bezug auf meinen Körper. Der Bereich zwischen Narbe und Bauchnabel war bis zu einer Behandlung bei der Heilpraktikerin zwei Jahre später noch taub und berührungsempfindlich. Die Narbe empfand ich all die Zeit als störenden Fremdkörper, konnte sie nicht ansehen und nur mit Überwindung jemanden anfassen lassen. Ich habe sie wirklich gehasst. Meine Tochter hatte es ebenfalls lange schwer damit sich von mir zu trennen. Ich habe das Gefühl, dass unsere Verbindung in den ersten Jahren nicht so innig war, wie sie es hätte sein können.

Recherchen und weitere Gespräche haben mein erstes Gefühl bestätigt, dass dieser Kaiserschnitt medizinisch nicht nötig war. Drei Gynäkologen und ein Hämatologe, sowie vier Hebammen, mit denen ich persönlich gesprochen habe, teilen diese Ansicht.

Ich bin bis heute nicht vollends mit dem Geschehenen versöhnt, besonders weil man den Arzt nicht anklagen kann. Aber ich nehme es als Teil meiner Biographie an und habe daraus etwas gelernt.

Mein zweites Kind

Trotz dieser ersten furchtbaren Erfahrung kam mein Kampfgeist zum Vorschein und ich wollte mir meine Familienplanung nicht von irgendeinem Arzt kaputt machen lassen. So wurde ich nach zwei Jahren und viel Literatur wieder schwanger. Im Mai sollte mein zweites Kind zur Welt kommen und ich entschied mich bewusst für einen anderen Weg. Ich ließ mich nur von meiner Hausgeburtshebamme betreuen und argwöhnisch suchte ich die von ihr empfohlene Ärztin für die drei Ultraschalle und die ET+3 Untersuchung auf. Das war nur eine mittelmäßig gute Idee, denn sie hat gleich beim ersten Screening meinen ET um 14 Tage vorverlegt. Dabei hatte ich ein Zyklusblatt nachdem ihr Termin gar nicht hinkommen konnte. Meine Thrombozyten-Werte waren im Übrigen wieder genauso mies, jedoch habe ich einen niedergelassenen Hämatologen gefunden, der selber in einer Hausgeburt geboren wurde und deshalb bereit war, mich in meinem Wunsch zu unterstützen und die „medizinische Verantwortung” zu übernehmen. Das hat auch die Hebamme sehr erleichtert und so konnten wir uns auf die Hausgeburt vorbereiten.

Dieses Mal wollte ich keine Kosten und Mühen scheuen und machte zusammen mit meinem Mann einen Hypnobirthing-Kurs. Dabei hatte ich niemals Angst vor der natürlichen Geburt. Ich war in meinem tiefsten Inneren davon überzeugt, dass mein Körper weiß was er tut und dass es gut ist, wie er es tut. Warum sollte ein physiologischer Körpervorgang auch Schmerzen verursachen? Ist doch unlogisch. Außerdem bringt die oberflächliche Auseinandersetzung mit dem Thema ja schon zutage, dass Geburtsschmerz von den ersten Christen „erfunden“ wurde (sehr verkürzt gesagt). Trotzdem fand ich es nicht schlecht ein paar Techniken zu kennen mit denen die Geburtsarbeit leichter gehen kann.

Wegen des vorverlegten ET war ich dann bei 42+0 immer noch schwanger und es tat sich auch nicht viel. Die Gynäkologin sah ihren Fehler natürlich nicht ein und machte jetzt Stress wegen der Terminüberschreitung. Daher sah ich mich gezwungen mit meiner Hebamme eine Einleitung machen zu müssen, denn es gab für mich überhaupt keine gangbare Alternative zu der hebammenbegleiteten Hausgeburt. Also machte sie eine Muttermund Stimulation und zum Glück setzten an dem Abend um 22 Uhr auch Wehen ein. Sofort regelmäßig im 10-Minuten-Takt. Wir waren uns total unsicher, wann wir die Hebamme brauchen werden und riefen sie deshalb sofort an. Sie kam auch zeitnah und setzte sich zu uns. Sie hörte ein paar Mal die Herztöne und hielt sich sonst zurück. Die Wehen hörten in der Früh um 3 Uhr wieder auf, weil ich echt furchtbar müde war. Innerlich habe ich die Geburt abbestellt. Ich wurde untersucht: 4 cm. Also fuhr die Hebamme wieder heim und ich sollte nochmal schlafen. (Versucht euch vorzustellen, wie im Krankenaus wohl damit umgegangen wäre…).

Ich schlief tatsächlich auch bis kurz vor 7 Uhr. Um 8 Uhr fingen die Wehen dann von ganz alleine wieder an, als mein Mann unsere Tochter zur Tagesmutter gebracht hatte. Bis um 11 Uhr verarbeitete ich die Wehen alleine in der Badewanne. Die Hebamme untersuchte mich ein zweites Mal, als sie wiederkam: 7 cm.

Ich machte also weiter wie bisher (Mit tiefem Atmen und bewusstem Entspannen.) und kam wunderbar zurecht. Konnte jedoch immer noch nicht glauben, dass das mit der Hausgeburt wirklich wahr werden würde. Ich war ganz im Moment und das Ende war für mich Ungewiss. Kurz vor 15 Uhr musste ich auf einmal brechen und das war das Signal für meine Hebamme, dass sie jetzt endlich Mal was tun konnte. Bis jetzt hatte sie an meinem Stubentisch gesessen, Zeitung gelesen und einen Salat zum Mittag gegessen. Mein Mann saß bis dahin bei ihr am Tisch und wusste nicht so recht was mit der Situation anzufangen. Ich bekam jetzt von ihr ein Glas Cola und sie setzte mich auf den Geburtshocker, meinen Mann hinter mich auf‘s Sofa. Als ich realisierte, dass das hieß, dass ich jetzt mein Kind wirklich hier bekommen werde, schoss mir als erstes der Gedanke durch den Kopf „Oh Gott, wie soll denn da ein Kind durch passen?! Nie und nimmer geht das, ohne dass alles kaputt geht!”

Dank Hypnobirthing habe ich aber die Kurve gekriegt und mir gesagt „Ich werde ganz weit. Mein Körper ist dafür gemacht.” Und um 15:34 Uhr war mein Baby da. (3910g, 51cm, 35cm Kopfumfang). Nach 17 ½ Stunden, ohne Komplikationen und mit einem Thrombozytenwert von 83. Und ich hatte keine Verletzungen. Die Presswehen waren ein wirklich großartiges Erlebnis. Es hat sich so natürlich angefühlt, kraftvoll, erhaben und allumfassend. Ich war so voller Glücksgefühle und verkündete mit meinem nassen Kind im Arm „Wenn Geburt immer so ist, bekomme ich noch 5!“

Im Nachhinein gab es drei Punkte, die ich nicht ganz so optimal fand. Es hat mich gestört, dass die ganze Zeit eine “fremde” Person anwesend war und sich augenscheinlich “gelangweilt” hat. Ich denke, das hat mich gehemmt, denn in den Stunden ohne ihre Anwesenheit, habe ich schneller eröffnet, als mit ihrer Anwesenheit. Dann, dass sie während der Presswehen die Fruchtblase aufgemacht hat (auch wenn sie vorher gefragt hat), denn es gab keinen Grund, es hat auch nichts am Geburtsgeschehen geändert und ich hätte es schön gefunden, wenn mein Baby mit Glückshaube geboren wäre. Der dritte Punkt ist, dass mein Baby von Händen in Handschuhen aufgefangen wurde. Trotzdem war ich unendlich dankbar für diese tolle Geburt.

Mein drittes Kind

Zwischen der Geburt und der dritten Schwangerschaft vergingen fast 5 Jahre. Die Umstände führten dazu, dass ich mit dem Kinderwunsch lange leben musste. Dadurch habe ich diese Schwangerschaft vom ersten Moment an ganz besonders bewusst erlebt. Deshalb kam ich schon sehr früh auf die Kritikpunkte der letzten Geburt zurück und besprach mit meinem Mann, was wir dieses Mal noch anders machen können. Er teilte meine Ansichten und traute uns beiden durchaus auch eine Alleingeburt zu. Sagte aber dennoch, dass er sich besser fühlen würde, wenn wir eine Hausgeburtshebamme in petto hätten. Man weiß ja nie. Darauf konnte ich mich problemlos einlassen und der Plan war gefasst. Eine ganz souveräne Hebamme habe ich gefunden und mit ihr sehr entspannte Termine gehabt, bei denen wirklich nur das Minimum gemacht wurde.

Zur Vorbereitung habe ich dieses Mal die Bücher „Alleingeburt“, „Gebären ohne Aberglaube“ und „Meisterin der Geburt“ gelesen. Ich habe viel Kontakt zu meinem Bauchbewohner gepflegt, Sport gemacht, Affirmationen (von Nina Winner) gehört und mir ein schönes Kleid für die Geburt gekauft. Auch meine zwei Kinder habe ich auf die Hausgeburt vorbereitet und die Option offen gelassen, dass sie dabei sein dürfen. Meine Traumgeburt habe ich mir während meiner Meditationen immer wieder vorgestellt (Am frühen Abend, wenn alle da sind, 4 bis 6 Stunden. Danach noch ein Stück Kuchen und ein Glas Sekt und dann schlafen.)

 

Die ersten Anzeichen für eine baldige Geburt spürte ich ab 41+0 am Sonntagabend. Ich hatte streckenweise Kontraktionen, die aber immer wieder aufhörten. Montag musste ich nochmal zur Gyn, ET+3 Untersuchung (Ich hatte beim ET gemogelt, wegen der Vorgeschichte und weil ich diesmal wirklich interventionsfrei gebären wollte). Da war natürlich alles ruhig, aber auch der Schall in Ordnung. An diesem Abend. hatte ich dann regelmäßig Wehen, die aber noch sehr spielerisch waren. Da habe ich dann also schon Mal den Sekt kalt gestellt und Kuchen gebacken und aufgeräumt. Schließlich wollten wir Geburtstag feiern! Diese Wehen habe ich genutzt um meine Einstellung zur Geburtsarbeit zu festigen.

Geburt(tags)kuchen

 

Gegen Mitternacht habe ich noch ein Entspannungsbad genommen und mich dann trotz leichter Wehen ins Bett gelegt. Vom Gefühl her war mir klar, dass es noch dauern wird. Am nächsten Morgen war dann erstmal wieder Ruhe. Ich habe der Hebamme am Telefon erzählt, dass ich in der Nacht den Schleimpfropf verloren und etwas gezeichnet habe. Dann habe ich mit meinem Mann die Kinder in den Tag geschickt und gehofft, dass es nun ernst wird mit der Geburt. Allerdings musste ich mich doch noch bis abends gedulden (was mir eigentlich den ganzen Tag schon klar war).

Erst 17:30 wurden es ordentliche und regelmäßige Geburtswehen. Ich habe mich viel entspannt und mir Affirmationen gesagt. Bin immer Mal vom Stehen zum Liegen und aufs Klo gewechselt. Die ganze Zeit über war ich im Kontakt mit meinem Baby. Ich habe gemerkt wie er sich zwischen den Wehen bewegt hat und mit dem Kopf den Weg ins Becken gesucht hat. Mein Mann hat mit den Kindern Abendbrot gegessen und sie bettfertig gemacht. Zwischendurch hat er immer mal wieder nach mir geschaut, aber ich brauchte nicht viel, außer Ruhe und ab und zu mal ein Glas zu trinken. In dieser Zeit war ich in Trance und hätte geschworen, dass sie nur eine halbe Stunde umfasst hat. Dieses Mal war die Geburtsarbeit intensiver, aber trotzdem nicht schmerzhaft. Ich atmete ganz leise und ruhig mit der Wehe auf und wieder ab. Mein Denken war ausgeschaltet, ich war ganz im Hier und Jetzt, habe irgendwie alles gleichzeitig und intensiv wahrgenommen und dennoch schwebte ich über den Dingen und habe nichts bewertet sondern nur gefühlt. Wie eine transzendente Gelassenheit…

22:30 habe ich mich noch Mal auf‘s Bett gelegt, weil ich so richtig gar keinen Bock mehr hatte und die Wehen jetzt sehr dicht kamen (manchmal auch zwei direkt hintereinander) und irgendwie eklig wurden. Mir kam es komisch vor, dass ich merkte, wie sich das Baby im Bauch mit den Füßen abschubste und gen Muttermund schob. Ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass ich schon so weit sein soll. Nach nur 5 Stunden! (Im Nachhinein kann man hier sehen, wie sinnlos Denken im dem Moment eigentlich ist. Einen leichten Pressdrang hatte ich da schon.)

Also sagte ich zu meinem Mann er soll die Hebamme jetzt anrufen, ich bräuchte ihre Meinung zum Fortschritt der Geburt. Irgendwie hatte ich Sorge, dass der Muttermund noch nicht ganz auf ist und ich dann dagegen presse, alles anschwillt und das Baby deshalb nicht geboren werden kann. Er hat dann telefoniert (23 Uhr) und meinte danach zu mir ich solle noch Mal hoch kommen und was Aufrechtes probieren. Fand ich in dem Moment echt scheiße *haha*, hab’s aber trotzdem gemacht, recht hatte er ja.

Also habe ich ein paar Minuten zwischen Stehen, Hocken und auf Knien probiert, eine bequeme Position zu finden und da kam mir die Erkenntnis, dass ich gerade tatsächlich die Übergangsphase hinter mir gelassen hatte. Der Kopf war an der Beckenmitte vorbei und hat jetzt sehr deutlich den Pressdrang ausgelöst. Ich kniete vor dem Bett und habe die Stirn an der Kante angelegt und sagte zu meinem Mann, dass das Baby jetzt kommt. Er hatte in diesem Moment erstmal furchtbar Angst um sein Laminat und hat noch fix alles mit Unterlagen ausgelegt, denn die Fruchtblase war immer noch intakt.

Ich habe nach einer Presswehe versucht selber an den Kopf zu fassen um mein Baby in Empfang zu nehmen. Aber der riesige Bauch war mir echt im Weg und es hat sich nicht gut angefühlt, sich so verrenken zu müssen. Also sagte ich zu meinem Mann, dass er das Baby empfangen soll. Er hat den Auftrag sofort angenommen. Und rumgemeckert, warum ich mir die engste Stelle im Zimmer zum Gebären suchen musste *haha*.

Zwei, drei Wehen ist der Kopf vom Baby immer wieder ein Stück zurück gerutscht, dann war er zur Hälfte da. Mit der nächsten Wehe kam der ganze Kopf zusammen mit einer Hand UND der ersten Schulter. Mein Mann hat alles begeistert kommentiert und gleichzeitig Angst gehabt, dass er seinen Sohn fallen lässt, weil er so glitschig ist. Die nächste Wehe brachte die zweite Schulter und das Baby bis zum Bauch. Weiter hat es nicht gereicht. Ich habe versucht ihn einfach ohne Wehe den Rest zu schiebe, aber es ging keinen Zentimeter vorwärts. Da war mir klar, dass das ein ordentlicher Klops sein muss. Mein Mann wollte mich anfeuern, aber ich sagte ihm, dass wir auf die nächste Wehe warten müssen. So war es auch. Mit der Extrawehe gebar ich mein drittes Kind am Dienstag um 23:18 Uhr in die Hände meines Mannes. Der Kleine hatte die Nabelschnur einmal ums Bein gewickelt und ich habe ihn entknotet, bevor ich ihn durch die Beine zu mir an die Brust nehmen konnte.

Wir begrüßten unseren Sohn, der nach einem kurzen Schrei ganz entspannt und rosig in meinen Armen lag und die Augen zu ließ. Und dann klopfte die Hebamme an die Tür. Sie hat uns zur Geburt beglückwünscht und sich erst einmal ein Stück entfernt neben mich gesetzt. Dann hat sie gefragt, ob die Nabelschnur schon auspulsiert ist und ob ich schon probieren könne, die Plazenta zu gebären. Wie ich mich über die Schüssel kniete, merkte ich auch, dass sie in den Muttermund rutschte und ich konnte sie sanft hinausschieben und mich dann entspannt ins Bett legen.

Die U1 ergab 4560g (nachdem er gekackt hat!) und 55cm. Kopfumfang 35,5 cm. Trotz der Hand, die er noch mit durchquetschen musste, hatte ich keine Verletzungen und dann stellten wir noch fest, dass unser Sohn mit Glückshaube geboren war. Und mein Mann tat so, als wäre es ganz normal, dass Babys in der Verpackung kommen

Die zwei großen Kinder haben alles verschlafen und meine Tochter war etwas beleidigt, dass sie nur noch das nackige Baby angucken kommen konnte (sie wäre wirklich gerne dabei gewesen. Es war ja aber keine Zeit sie zu wecken. Mein Mann wollte mir nicht von der Seite weichen).

Es war etwas sehr Besonderes diese Geburt so eng mit meinem Mann alleine zu erleben. Ich bin unendlich stolz auf ihn und fühle mich ihm noch viel näher ❤

Und ich bin so froh, dass ich die Latenzphase und den Geburtsbeginn so entspannt auf mich zukommen lassen konnte. Denn zu keinem Zeitpunkt musste ich mir Gedanken machen, wann ich jemanden anrufen müsste (wegen Kinderbetreuung oder damit die Hebamme rechtzeitig da ist). Auch, dass wir uns für die Alleingeburt entschieden haben war perfekt. Ich war ganz bei mir und immer im Flow mit dieser schöpferischen Urkraft. Keiner hat mich gestört. Und schon die zwei, drei Ansagen der Hebamme in der Nachgeburtsphase waren eigentlich zu viel. Ich habe mich schon etwas geärgert, dass ich sie überhaupt hab kommen lassen (mein Mann war jedoch froh, er meinte, dass er zur Plazentageburt gar nichts gewusst hätte).

Naja, beim vierten Kind machen wir es noch „alleiner“. 😉

 

Bericht + Fotos  © Marie

 

 

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