Neugeborenes mit rotblondem Haar liegt Haut an Haut auf seiner Mutter, die eine Alleingeburt trotz Nierenstein und ET+10 gemeistert hat.

ET+10, Nierenstein & ein Bad voller Fruchtwasser – Die Alleingeburt meines vierten Kindes

Der Bericht meiner vierten geplanten Alleingeburt ist etwas lang geworden, denn ich möchte gerne über die Geburt hinaus berichten, da ich eine wirklich bemerkenswerte Erfahrung gemacht habe.

Ich hatte von Beginn der Schwangerschaft an damit gerechnet zu übertragen, aber unser Baby hat meine Geduld dann wirklich sehr trainiert, und mich bis ET+10 warten lassen. Ich war die ganze Schwangerschaft über sehr aktiv, habe 2 Yoga-Kurse zeitgleich besucht, bin viel gelaufen, Fahrrad gefahren und mir ging es super. Je näher wir dem ET kamen, desto mehr war die Luft raus und ich bin oft vom Bett auf die Couch, weil ich einfach total müde war. Symphyse und Leisten schmerzten sehr, und mir ging es einfach nicht mehr gut.

An ET+9 habe ich mich nochmal zusammen genommen und das Baby versucht ,,rauszuputzen“, selbst die Fenster mussten dran glauben. Außerdem habe ich ein Nelkenöl-Tampon gemacht.

Ich war dann noch recht lange mit meinem Mann wach. Um 23 Uhr haben wir das Licht ausgemacht, ich war gerade eingedöst, da hatte ich um 23:59 Uhr die erste Wehe, die sich endlich nach Geburtsbeginn angefühlt hat. Ich freute mich, der 23.01. sollte es also werden. Ich blieb noch eine Weile im Bett, sagte irgendwann meinem Mann, dass er ab heute nicht mehr arbeiten müsse und ich mich etwas bewegen wolle.

Die Geburt meines dritten Kindes ging sehr schnell, und ich hatte mir sehr gewünscht, dass ich diesmal ein bisschen mehr Zeit hätte. Diese Geburt sollte aber so ganz anders werden.

Zuerst kam ich super klar, konnte sehr gut mit den Wehen umgehen, ganz intuitiv atmen, tönen, mich bewegen. Um 4 Uhr rum bekam ich das erste Mal vor jeder Wehe Schüttelfrost, währenddessen Schweißausbrüche. Ich ging in die Wanne, fühlte mich erschöpft und schob das auf die Müdigkeit, weil ich ja praktisch nicht geschlafen hatte. In der Wanne konnte ich recht gut entspannen, gut mit der Geburtsarbeit umgehen und zwischendurch immer auch etwas dösen. Ich tastete nach meinem Muttermund und stellte zufrieden fest, dass sich schon einiges getan hatte. Ich blieb 2 Stunden dort, sagte meiner Freundin, die auch bei der letzten Geburt dabei gewesen war Bescheid, dass sie im Laufe des Morgens gerne zu uns stoßen dürfe, und meldete meine Kinder von Kindergarten und Schule ab, weil wir die Geburt gerne zusammen erleben wollten.

Schüttelfrost und Schweißausbrüche

Dann stieg ich aus der Wanne und wartete darauf, dass die Wehen wieder Schwung aufnehmen, was einige Zeit dauerte. Ich war zu dem Zeitpunkt, ich schätze 8 Uhr, schon ziemlich fertig und wollte einfach nur schlafen. Ich war sehr froh meine Freundin bei mir zu haben, die mich wunderbar immer wieder aufgebaut hat. Mein Mann und sie waren die ganze Zeit total stolz auf mich, was ich so gar nicht teilen konnte. Irgendwann kam wieder der Schüttelfrost und die Schweißausbrüche, und ich ging nochmal in die Wanne. Der Muttermund war vollständig geöffnet, aber ich hatte wie bei Geburt 1 und 3 das Gefühl, dass die Fruchtblase das Problem war. Ich zog von der Badewanne auf die Couch, und legte mich etwas seitlich hin, ein Bein über der Lehne, ich schätze es muss mittlerweile circa 13 Uhr gewesen sein. Während einer Wehe tastete ich nach der Fruchtblase, weil ich bei der 3. Geburt eine riesige Vorblase hatte, dabei platzte sie in einer Fontäne, was mich trotz meines Elends sehr belustigte. Leider einer der wenigen Augenblicke, in denen ich alleine war. Wir hatten zum Glück Malervlies ausgelegt.

Danach bekam die Geburt nochmal mehr Schwung, aber es wollte sich einfach nichts tun. Ich fror und schwitzte im Wechsel und meine Grenzen rückten näher. Ich habe leider irgendwann kaum noch auf die Uhr geachtet, aber es muss schon weit nach 14 Uhr gewesen sein, als ich merkte, dass mein Baby ruhiger wird. Ich war selbst schon so am Ende, dass ich meinen Begleitern sagte, dass ich jetzt ins Krankenhaus wolle.

Geburt im Stehen

Wir besprachen uns kurz und ich ging mit meiner Freundin ins Badezimmer um mich fertig zu machen. Da bekam ich sehr schnell hintereinander sehr kräftige Wehen, die ich alle im Stehen nahm. Ich sagte meiner Freundin, dass ich so nirgends hinkönne. Bei der 4. oder 5. Wehe hielt ich mich an Schrank und Waschbecken fest und stellte mein rechtes Bein auf die Wanne. Ich schob mit aller Kraft, die ich noch hatte mit, und meine Freundin rief, der Kopf ist da. Ich konnte es gar nicht glauben, und rief nach meinem Mann, der in der nächsten Sekunde mit den 3 Großen im Bad stand. Ich hatte das starke Gefühl, dass mein Baby dringend aus mir raus müsse, obwohl es ganz leise Geräusche machte, hockte mich hin und schob den Körper mit ziemlicher Anstrengung hinterher, in die Hände meiner Freundin. Es kam noch unfassbar viel Fruchtwasser mit, ich habe unser kleines Badezimmer förmlich geflutet.

Das Baby war ziemlich blau und ,,röchelte“ und sah sehr schlapp aus. Ich nahm es, saugte Mund und Nase ab, ließ mir ein Handtuch reichen, und rubbelte es ordentlich. Ganz schnell fing es an zu schreien und bekam direkt Farbe. Ich war unendlich erleichtert. Ich schaute nach dem Geschlecht, und freute mich sehr über Junge Nummer 3. Mein Mann bereitete die Couch mit Handtüchern vor, danach half er mir zusammen mit meiner Freundin ins Wohnzimmer, ich hatte so furchtbare Schüttelfrost, dass ich kaum laufen konnte. Ich legte mich mit dem Baby hin, meine Beine konnte ich alleine nicht heben. Ich legte den Kleinen an und genoss diesen wunderbaren kleinen Menschen, auf den ich so lange gewartet hatte. Er war noch nicht abgenabelt, das mache ich immer erst, wenn die Plazenta geboren ist. Irgendwann fragte ich meine Freundin, ob sie mal nach Verletzungen gucken könne. Konnte sie nicht, weil die Plazenta schon kam. Ich beschloss mich darum zu kümmern, aber ich konnte mich keinen Millimeter bewegen. Mein Mann half mir mich aufzurichten und die Plazenta kam ohne Probleme und ich legte mich wieder mit meinem Söhnchen hin, während meine beiden Begleiter die Nabelschnur durchtrennten. Ich war so glücklich über den kleinen Schatz, aber körperlich völlig am Ende und unendlich traurig über den Geburtsverlauf, was meine Begleiter gar nicht nachvollziehen konnten, immerhin hatte ich ja gerade aus eigener Kraft mein viertes Kind geboren.

Josef Henri; 23.01.2026 um 14:40 Uhr; 53cm, 3800g, 37cm KU

Ein leises Klacken

Ich konnte nach der Geburt nur mit Hilfe laufen, auch am nächsten Tag musste ich mich festhalten und brauchte Hilfe beim Aufstehen. Meine Hebamme kam Samstag Morgen, und wir erklärten uns meinen Zustand mit der langen Geburt. Samstag Nachmittag bekam ich rechtsseitig plötzlich so starke Rückenschmerzen, dass ich einfach nur noch verzweifelt war. Ich rief einen Freund an, der Physiotherapeut und Osteopath ist, und er kümmerte sich um mich, zeigte mir noch eine Übung, die helfen könne und ich setzte mich vor das Rotlicht. Irgendwann ging es wieder. 

Ich war weiterhin sehr unglücklich und traurig wegen der Geburt und fühlte mich wie ein Pflegefall. Ab dem Abend nach der Geburt hatte ich plötzlich auch ständig extremen Harndrang, wobei dann nie viel kam, so dass ich mir schon Sorgen um meinen Beckenboden machte. All das bleib so bis in den Sonntag hinein. Als ich Sonntag Mittag merkte, wie der Rücken wieder zu schmerzen begann, gab ich meinem Mann den Kleinen und ging unter die Dusche. Dort bekam ich wieder diesen extremen Harndrang und gab nach. Ich merkte, wie etwas meine Harnröhre passierte und hörte ein leises Klacken. Da lag plötzlich ein erbsengroßer Nierenstein in der Dusche. Ich fiel aus allen Wolken. Und fühlte mich schlagartig wie neugeboren! Ich ging ins Schlafzimmer und mein Mann merkte sofort an, dass ich wie ausgewechselt aussähe. Ich zeigte ihm den Stein und musste das dann erstmal verknuspern. Plötzlich konnte ich mir so vieles erklären: die letzte Zeit der Schwangerschaft, in der es mir schlecht ging, die Schmerzen im Becken, die Schwere der Geburt, den Schüttelfrost, der furchtbare Wochenbett-Start. Ich musste erstmal vor Erleichterung weinen und konnte mich dann mit der Geburt versöhnen. Und so richtig richtig stolz auf mich sein. Geburt mit Nierenstein ist wohl unter besondere Herausforderung zu verbuchen. 

Seitdem geht es mir wirklich gut, auch wenn ich die erste Woche zur körperlichen Erholung brauchte. Mein Mann hat mir jeden Wunsch von den Augen abgelesen, und ich habe, abgesehen von 2 Terminen, Haut auf Haut mit meinem kleinen Sohn gekuschelt. So ist es nach dem katastrophalen Start mein bisher schönstes Wochenbett. 

Liebste Grüße,

Natalie

PS: Meine vorherigen Geburten findest du hier:

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