Der Unterschied zwischen einer „Natürlichen Geburt“ und einer Natürlichen Geburt

In der vergangenen Woche habe ich zwei Mamas getroffen. Eine von ihnen antwortete mir auf die Frage „Und, wie war deine dritte Geburt?„, während die andere Mama von selbst das Gespräch über die Geburt ihres Sohnes eröffnete. Beide wissen, dass ich meine Kinder allein zu Hause geboren habe und sie wissen, dass ich mich für die natürliche Geburt engagiere. Ihre Antwort war fast entschuldigend:

„Jobina, Du wirst mich umbringen … aber ich hatte einen Kaiserschnitt … und ich habe ihn gewollt!“

Was dann folgte war ein  Schweigen meinerseits und erklärende Worte ihrerseits.

Ich schwieg aufgrund der Annahme, dass beide dachten, ich würde sie umbringen, weil sie einen anderen Geburtsweg für sich gewählt hatten. Ich schwieg, weil ich fühlte, dass sie sich mir gegenüber verpflichtet fühlten ihren Geburtsweg zu erklären. Und ich schwieg, weil ich spürte, dass wir – wenn der Begriff „Natürliche Geburt“ fiel –  nicht den gleichen Prozess meinten.

Und das war die Inspiration zu diesem Blogartikel: Der Unterschied zwischen einer „Natürlichen Geburt“ und einer Natürlichen Geburt. Es ist höchste Zeit, diesen Unterschied deutlich zu machen.

Mal davon abgesehen, dass ich niemals jemanden umbringen könnte, war ich überrascht, dass beide unabhängig voneinander diese Wortwahl einsetzten. Ich nehme an, sie nutzten diesen umgangssprachlichen Begriff des „Umbringen“, weil sie glaubten, ich könnte ihren Weg nicht akzeptieren oder tolerieren. Es zeigt leider, wie schwer es den Wunschkaiserschnitt-Mamas fallen muss, sich permanent für diesen Geburtsmodus zu rechtfertigen. Ich möchte sie am liebsten schon allein für das Gefühl, sich rechtfertigen zu müssen, in den Arm nehmen. Denn das brauchen sie wirklich nicht. Eine Mama, die sich einen Kaiserschnitt wünscht ist genauso zu respektieren, wie eine Mama, die eine Alleingeburt macht.

Wie ich nun aber diesen beiden Mamas zuhörte, WARUM sie sich für einen geplanten Kaiserschnitt entschieden hatten, nickte ich zustimmend und hörte ich mich sagen:

„Unter diesen Umständen hätte ich mich wohl auch für einen Kaiserschnitt entschieden!“

Die eine der Mamas entschied sich für den geplanten Kaiserschnitt, da ihr erstes Kind bereits per Notsectio geboren wurde, sie sich beim zweiten Kind unbedingt eine natürliche Geburt wünschte, welche aber mit einer sehr schmerzhaften Dammschnitt- und Saugglockenextraktion endete. Die Aussicht, noch einmal vaginal so stark verletzt zu werden und das Trauma des Ausgeliefertseins zu wiederholen, veranlasste sie statt einer natürlichen Geburt lieber einen geplanten Kaiserschnitt für Ihr 3. Kind zu wählen. Da konnte sie sich wenigstens bewusst und mental darauf vorbereiten. Verständlich.

Die andere Mama erzählte mir, dass sie sich für einen Wunschkaiserschnitt entschied, weil sie Angst hatte. Angst vor stundenlangen Wehen, Angst vor Verletzungen im sensiblen Intimbereich, Inkontinenz und Gebärmuttervorfall. Ihr Kind kam also aus dem Bauch, weil ihr ein geplanter Schnitt in der Bikinizone annehmbarer schien, als das Gemetzel, von dem sie gehörte hatte. Auch verständlich.

Ich finde beide Begründungen absolut nachvollziehbar. Ja, ich kann es verstehen, warum sich diese beiden Mamas (und viele andere Mamas auch) unter diesen Betrachtungswinkeln nicht für die Natürliche Geburt entschieden haben.

Die Natürliche Geburt wird leider allgemein assoziiert mit den Attributen „stundenlanges Quälen, vaginalen Verletzungen und Traumata“. Aber DAS IST KEINE NATÜRLICHE GEBURT! Das, worüber hier in den meisten Fällen gesprochen wird, ist eine intervenierte Geburt im Krankenhaus. Das einzige, was an diesen Geburten noch natürlich ist, ist der vaginale Geburtskanal. Der Rest ist eine Farce! Eine Kopie! Ein Plagiat! oder besser gesagt: Ein Fake!

Diese gefakte Version von einer Natürlichen Geburt tritt in 92% der Fälle auf. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat freundlicherweise festgestellt, dass es sich in 92% aller Klinikgeburten um diese Art von Geburt handelt, die den Titel „Natürliche Geburt“ überhaupt nicht verdient hat. Denn Geburtseinleitungen, PDA´s, Dammschnitte, Kristellern und jegliches medizinisches Eingreifen ist nun mal unnatürlich.

Dabei fällt mir grad der blödeste Einwand ein, den je zu meinem ausserklinischem Geburtsvorhaben gehört habe:

„Willst du dann eine Salatzange nehmen?“

Nein natürlich nicht! Der Gedanke, dass ein Baby herausgezogen werden muss ist völlig destruktiv. Denn wenn eine Gebärende ihre intuitive Gebärposition findet, dann wird dies meist eine aufrechte Position sein. Und das Baby findet von selbst seinen Weg nach draußen. Dieses Geziehe am Baby sollte unbedingt aus dem Köpfen raus! Eine echte natürliche Geburt benötigt kein Herausziehen.

Woran Du außerdem noch die gefakte Version von der original natürlichen Geburt unterscheiden kannst, findest Du in der Grafik.

der-unterschie-natuerliche-geburt

Ich fände es daher umheimlich wichtig in all diesen Diskussionen und Debatten in denen der Begriff „Natürliche Geburt“ fällt, ganz nüchtern zu hinterfragen, ob es sich um die originale oder gefakte Version handelt. Denn die Folgen der gefakten Version sind mit den positiven Effekten einer echten natürlichen Geburt überhaupt nicht vergleichbar.

Die beiden eingangs erwähnten Frauen, mit denen ich sprach, hatten in Wirklichkeit keine Angst vor der Natürlichen Geburt, sondern vor der Fake-Version.

Oder wie siehst Du das?

Übrigens: Am 06.März 2017 startet der Gratis Online Workshop „3 Schritte zur entspannten, angstfreien Geburt“ mit Nina Winner und mir. Schreib Dich ein, wenn Du gerade schwanger bist oder teile diesen kostenfreien Workshop unter den Mama´s wenn auch Du der Meinung bist, dass der Erhalt der original natürlichen Geburt von Bedeutung ist.

Bis dahin alles Liebe

Deine Jobina Schenk

Titelbilder Credits:
Fotolia_58728855
Fotolia_119231378

42 Gedanken zu „Der Unterschied zwischen einer „Natürlichen Geburt“ und einer Natürlichen Geburt“

  1. Liebe Jobina
    Vielen herzlichen Dank für diesen wunderschönen Artikel, er spricht mir aus der Seele!
    „Natürlich“ und Natürlich hat leider wirklich nicht viel gemeinsam, das hab ich am eigenen Leib erfahren dürfen. Schön, dass dieser Artikel die Unterschiede auf so informative Weise aufzeigt.
    Und ja, ich würde auch am liebsten jede KaiserschnittMama in den Arm nehmen, obwohl sie das von mir wahrscheinlich auch nicht denken würden…

  2. Liebe Jobina,

    ich danke dir von Herzen für diesen Text! Deine Worte sind die, die mir fehlten, als meine Mutter mich tatsächlich fragte:

    „Muss es denn wirklich eine Hausgeburt sein, wenn die Rufbereitschaft so viel kostet? Es gibt doch auch Krankenhäuser mit niedrigen Kaiserschnittraten. Da kannst du doch hingehen. Das ist dann doch genau so…“

    Ich war völlig perplex und wusste tatsächlich erstmal gar nicht was ich antworten sollte. Wie bitte kann man ein KH mit dem eigenen zu Hause vergleichen??? Und als wenn es ausschließlich um die Vermeidung eines Kaiserschnittes gehen würde. Sie hat nichts verstanden NICHTS!!!

    Ich glaub sie muss mal deinen Text lesen – dringend 😉 …

    Liebe Grüße
    Mother Birth

  3. Liebe Jobina als Hebamme die im Spital sowie freiberuflich , jetzt Wochenbettbegleitung und früher mit Hausgeburten sehe ich es noch einmal etwas anders. Die Geburt ist etwas sehr individuelles. Ich arbeitete fast fünf Jahre in der Paracelsusklinik Richterswil .Viele Frauen gebären dort die eine mitbestimmte Schwangerschaft und Geburt erleben möchten. Es sind auch immer wieder traumatisierte Frauen von ersten Geburten die dort gebären. Ja sie werden mit viel Zeit, Liebe, Vertrauen , Freiraum und natürlicher Unterstützung begleitet um eine natürliche Geburt zu ermöglichen.Aber manchmal wird eine PDA , ein Vacuum oder eine Sectio nötig. Das ist für mich dann keine manipulative Geburtshilfe sondern echte und nötige Hilfe mit viel Respekt .Es ist nicht alles Fake oder Manipulation was in den Spitälern geschieht. Ja vieles ist unnötig. Aber die Zusammehänge sind sehr komplex. Es beginnt schon in der Schwangerschaft oder früher …. Beide Seiten müssten sich wieder viel mehr mit der physiologischen Geburt auseinandersetzen und diesen in Respekt ,Vertrauen und Hingabe leben.
    Dann würde unsere Erde auch mehr Frieden erleben und leben.
    Liebe Grüsse Franziska

    1. Liebe Franziska,
      Hab vielen Dank für Deine Sicht auf die Dinge.
      Kannst Du als Hebamme sagen, wieviel Prozent der Vaginal-Geburten in der Schweiz interveniert werden?
      Gibt es bei Euch eine ähnliche Erfassung, wie diese hier vom deutschen BMBF?http://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/4095.php

      Und wenn Du erlaubst, noch eine Frage: „Was würdest Du aus Deinem subjektiven Empfinden schätzen, wieviel Prozent der Vaginal-Geburten wirklich eine Intervention nötig haben?

      Das eine Geburt etwas sehr individuelles ist, dem stimme ich absolut zu. ❤️

    2. Liebe Franziska,

      die crux liegt schon in einem Wort. Du schreibst „Viele Frauen gebären dort die eine mitbestimmte Schwangerschaft und Geburt erleben möchten. “ MITbestimmt! Eine Geburt soll aber von der Gebärenden nicht mitbestimmt werden, sondern SELBSTbestimmt sein.

      Meine Geburtshaus Geburten wurden von einer Hebamme begleitet die auch im KH arbeitet, sie kennt beide Seiten und sagt selbst, dass es im KH zu zu vielen Interventionen kommt.

      Grüße, Almarna

    3. Wie kann man nur so ignorant sein. Wieder mal typische Schulmedizinpropaganda die hier von den Schergen des Systems verbreitet wird. Ich will gar nicht wissen wie viele Kinder jedes Jahr durch Intervention in ihrer frühkindlichen Entwicklung geschädigt werden oder sogar sterben. Die Wahrheit wird man wohl nie erfahren, solange das System der BRD GmBH uns niederhält…
      Man kann nur hoffen das in Zukunft mehr Mütter die Augen öffnen und sich von Jobina helfen lassen.
      Mothership

  4. Hi!
    Ich finde mich nicht wieder in deinem Text.
    Das könnte daran liegen, dass Geburten grundsätzlich eine unglaublich individuelle, nicht planbare Sache sind, und jeder Versuch, sie zu kategorisieren, nur schief gehen kann.

    Ich hatte eine natürliche Geburt in deiner Definition – ja, bis zu dem Zeitpunkt, wo mein Kind stecken blieb. In der von mir gewählten, aufrechten Geburtsposition, nach einer Eröffnung voller Stille, Ruhe, Hingabe, nicht interveniert, begleitet von Mann und Hebamme. Mist, aber mein Kind blieb trotzdem stecken. Ist das jetzt ne Fake-Geburt, weil ich verlegt wurde, und mein Kind per VE aus mir rausgezogen wurde (worüber ich irgendwie wieder sehr froh bin, denn ich konnte nach 6,5 h Presswehen leider nicht mehr)? Was ist das dann?

    Ich mag deinen Text leider heute nicht, sorry. Ich finde ihn, obwohl du wohl das Gegenteil versuchtest zu erreichen, massiv abwertend, und eindimensional. Ich finde ihn auch für mich nicht erhellend. Gut, ich kannte sämtliche von dir genannten Fakten auch schon vorher.

    Und noch was: Du stellst am Anfang deines Textes fest, dass ihr wohl unterschiedliche Sachen meintet, wenn ihr über eine „natürliche Geburt“ redet. Und dann definierst du, was für dich eine natürliche Geburt ist. Für DICH.

    Ich selbst finde z.B. meine 16h-Erstgeburt, bei der ich 12 h im Geburtshaus war, und 17 min im Krankenhaus (und dazwischen 12 min im RTW), beides. Ich finde sie unglaublich natürlich, denn sie begann spontan, sie wurde nicht interveniert. Und ich hab ein Riesenbaby auf Beckenboden gearbeitet. Und sie war auch nicht natürlich, denn sie endete vaginal-operativ. Was sie definitiv nicht war: Ein Fake.

    Und meine 2,5h-Zweitgeburt, bei der ich 1 h Auto gefahren bin, um zu einem begleiteten Geburtsort zu kommen, um dann 20 min im Kreißsaal zu sein, und die wunder-wunder-wunderschön war, heilend für Körper und Geist – diese Geburt habe ich BEWUSST osteopathisch einleiten lassen. Voll unnatürlich.

    Nö, also dieses Mal: Mag ich leider nicht, deinen Text, und deine Kategorien.

    1. Schade. Ich finde ihn mehr als gelungen. Ja, die Autorin hat vergessen zu erwähnen dass es Fälle gibt in welchen inzerveniert werden muss. Aber ich habe den Text nicht so verstanden. Ich habe verstanden dass Frauen ein völlig falsches Bild einer „natürlichen Geburt“ suggeriert wird und sie deswegen Angst davor haben. Es wäre eine schöne Welt, wenn Frau in der Klinik ihr Kind auf respektvollem Weg, ohne Druck und Übergrifflichkeiten physischer oder psychischer Natur gebären könnte. Und nicht sie entbunden wird (wovon auch immer). Ich finde es schade dass du es so siehst und es tut mir leid, dass deine gesunde Vorstellung von einer natürlichen Geburt in der Klinik fortgesetzt werden musste, in welcher Menschen sind, die helfen wenn es tatsächlich hart auf hart kommt. Wir haben alle unsere Narben. Manche sind noch frisch und andere hat man so für sich angenommen. Aber es geschehen Dinge für die niemand verantwortlich gemacht werden kann, zu Hause , unterwegs, im Krankenhaus etc. . Dafür wie Frauen eine Geburt zu werten haben kann man Medien, Ärzteschaft, Hebammen, andere Frauen usw. Verantwortlich machen. Im Grunde bringt das aber nichts. Weil es nötig ist zu wissen wo der Unterschied liegt. Und der ist hier klaffend. Deswegen war diese Unterscheidung schon lange nötig.

    2. Danke für diesen Kommentar! Meine erste Geburt war laut dieser Definition eine natürliche Geburt (Hausgeburt als Erstgebärende). Das original. Die zweite ein Fake, weil Notsectio. Hab ich jetzt ein Fake baby? Ohne diesen Fake hätte mein Baby heute definitiv eine Behinderung, wäre möglicherweise sogar tot. Wäre in diesem Fall blöd gewesen, so ne original Geburt.
      Ich finde den Text auch extrem abwertend. Sehr schade.

    3. Liebe Stephie! Ich kann Dich verstehen. Es hat mir weh getan, den Text zu lesen, weil ich ihn auch aus der Perspektive anderer Frauen gelesen habe, die nicht zu Hause geboren haben, und bei denen interveniert wurde (…werden musste ). Ich stimme Dir zu : Der Text wertet ab. Und das tut weh. Eine Position, die abwertet, kann nicht richtig sein, ist nicht „stimmig“. Es gibt immer viele Seiten der inneren und äußeren Realität. Es gibt nicht nur DIE RICHTIGE HAUSGEBURT. Es gibt auch selbstbestimmte Geburt im Krankenhaus! Es ist vielleicht dort nur schwieriger und man (eher frau) muss sich unnötiger Interventionsversuche erwehren, was wiederum oft den Geburtsprozess stört, weil ich aus der innigen Verbindung mit meinem Kind herausfallen kann, in dem ich mich bestenfalls befinde.
      Ein Bussi an Dich!
      Julia

  5. Liebe Stephi,

    Das Adjektiv „natürlich“ bezeichnet etwas, was so ist, wie es normal in der Natur vorkommt, ohne dass es der Mensch verändert.
    Und das ist leider in 92% der Geburten in Krankenhäusern eben nicht der Fall. Wenn also ein Krankenhaus mit der Philosophie wirbt, dass ihnen Natürliche Geburten am Herzen liegen und sich gleichzeitig an Leitlinien halten, die eine Intervention nach der nächsten vorsieht, dann ist das keine natürliche Geburt.

    Es tut mir leid, wenn Dich mein Artikel so trifft. Mir ging es im Kern darum, zu zeigen, dass Wunschkaiserschnittmamas berechtigte Zweifel haben vor dem, was die Allgemeinheit als „Natürliche Geburt“ bezeichnet.

  6. Wie schade, dass wieder einmal auf die Krankenhäuser geschimpft wird. Wie schade, dass Frauen, die sich für ihren ersten Geburtsort entscheiden müssen, so verunsichert werden. Es kommt mir auch hier so vor, als käme das Wissen über die Arbeit im Kreißsaal noch aus grauer Vorzeit.
    Es gibt sie tatsächlich auch im Krankenhaus, die wunderbare, unvergleichliche, selbstbestimmte Geburt. Ich habe es bei meiner zweiten Entbindung selbst erlebt. Ich habe entschieden zu laufen, zu stehen, zu knien, zu pressen – die Hebamme machte über den Zeitraum von 3 Stunden nur 3 Vorschläge, die ich annehmen konnte oder nicht.
    Bei der ersten Entbindung hatte ich eine PDA und schlussendlich eine Zangengeburt – und ich kann sagen, das war gut so! Die PDA wollte ich und die Zange war die bessere Wahl statt einem Kaiserschnitt, weil meine Tochter mit der Stirn an meinem Schambein hängengeblieben ist. Da ich keine Presswehen hatte (bei beiden Entbindungen nicht), war Hilfe von außen nötig. Und trotzdem war es für mich eine natürliche Geburt.
    Das ist nämlich das Stichwort: für mich! Für andere mag es anders aussehen, aber diese krasse Einstufung und Herabsetzung finde ich nicht schön sondern verletzend.

  7. Ich möchte mich meiner Vorrednerin anschließen, auch ich empfinde diese Beschreibung herabsetzend und verletzend. Die Geburt meines Sohnes hat auch im Krankenhaus stattgefunden, auch ich habe nach Stundendendenden eine PDA dankend in Anspruch genommen, weil ich einfach nicht mehr konnte. Ich hatte mich im Vorhinein mit Hypnobirthing vorbereitet, weil ich durchaus gehofft hatte, auf viel Drumherum verzichten zu können. Kam dann aber eben anders. Auch ok. War dann eben so. So wurde mir ermöglicht, eine durchaus schöne und bewusste Geburt zu erleben. Und körperlich fordernd war es dennoch, davor wie danach. Ich habe keine Angst vor einer Runde zwei, im Gegenteil. Durch diesen Artikel bekomme ich fast ein schlechtes Gewissen, das ich auch noch Gefallen an diesem ‚Fake‘ hatte. Oder vielleicht gar zu blöd dazu war, ihn als solchen zu erkennen. Für mich aberwitzig, das Kaiserschnitt-Bashing zu verurteilen und die, die mit dem ‚Fake‘ zufrieden waren, mit so einem miesen Gefühl stehen zu lassen, nur weil das anscheinend dem eigenen Empfinden entspricht.

    1. Liebe Carola,

      Ich entschuldige mich, dass dieser Artikel dieses Gefühl in Dir ausgelöst hat.
      Gewiss möchte ich weder Dich, noch andere Frauen verletzen oder herabsetzen. Wenn ich die Geburtsberichte der RosesRevolution lese stehen mir sehr oft die Tränen in den Augen und ich frage mich, was das für ein Geburtshilfesystem ist, welches 33% Kaiserschnittraten und 92% intervenierte Vaginal-Geburten produziert, die von vielen Frauen als „Gewalt unter der Geburt“ empfunden werden.
      Es ging mir in diesem Artikel darum, aufzuzeigen, warum manche Mamas Angst vor einer Vaginalgeburt haben. Und den Grund darin sehe, dass die NATÜRliche Geburt unter diesen Manipulationen eben nicht mehr physiologisch ablaufen kann.
      Ich bin selbst durch eine „Fake-Natürliche Geburt“ auf die Welt gekommen und trage den Schmerz meiner Mutter in meinem eigenen Unterbewusstsein. Auch ist mein erstes eigenes Kind auf eben unnatürliche Weise ins Leben gezwungen worden aufgrund nicht evidenzbasierten Einleitungs-Regeln. Und gerade darum schreibe ich solche Artikel.

  8. Leider finde ich den Artikel auch sehr abwertend für alle Frauen die ihr Kind in eine Krankenhaus zur Welt bringen oder gebracht haben.
    Ich hatte mich bewusst dafür entschieden falls es Konplikationen gibt.
    Dennoch habe ich eine natürlich ausgelöste Geburt gehabt, habe 16 h meine Runden gedreht und gelitten und dann am Ende ein 8 Pfund Baby natürlich vaginal samt Dammriss entbunden. Und nur weil es im Krankenhaus war ist das jetzt keine „echte“ Geburt? Und ja, das Wort Fake ist sehr herablassend und verletzend für eben 92% aller Geburten.
    Vielleicht waren die beiden Kaiserschnitt Mamas falsch informiert aber Artikel wie dieser verunsichern ebenso, weil man gleich das Stigma aufgedrückt bekommt, man würde keine echte Geburt erleben.

    1. Liebe Maria,

      Ich entschuldige mich, dass dieser Artikel dieses Gefühl in Dir ausgelöst hat.
      Gewiss möchte ich weder Dich, noch andere Frauen verletzen oder herabsetzen. Wenn ich die Geburtsberichte der RosesRevolution lese stehen mir sehr oft die Tränen in den Augen und ich frage mich, was das für ein Geburtshilfesystem ist, welches 33% Kaiserschnittraten und 92% intervenierte Vaginal-Geburten produziert, die von vielen Frauen als „Gewalt unter der Geburt“ empfunden werden.
      Es ging mir in diesem Artikel darum, aufzuzeigen, warum manche Mamas Angst vor einer Vaginalgeburt haben. Und den Grund darin sehe, dass die NATÜRliche Geburt unter diesen Manipulationen eben nicht mehr physiologisch ablaufen kann.
      Ich bin selbst durch eine „Fake-Natürliche Geburt“ auf die Welt gekommen und trage den Schmerz meiner Mutter in meinem eigenen Unterbewusstsein. Auch ist mein erstes eigenes Kind auf eben unnatürliche Weise ins Leben gezwungen worden aufgrund nicht evidenzbasierten Einleitungs-Regeln. Und gerade darum schreibe ich solche Artikel.

  9. Hey Jobina!

    Ich (als Hebamme) muss gestehen, dass Dein Artikel auch in mir widersprüchliche Gefühle verursacht…

    Zum einen stimme ich mit Dir überein, dass vermutlich viel zu oft ohne wirkliche Indikation in den Geburtsprozess eingegriffen wird. Da gilt es sicher genauer hinzuschauen.

    Und auch, dass eine vermeintlich harmlose bzw. natürliche Intervention wie ein Hebammencocktail eine Intervention an sich darstellt. Nur weil es „natürlich“, „alternativ“ oder nicht-medikamentös ist, heißt es nicht, dass auch da ein Grund vorhanden sein sollte…

    Wo es mir meine Nackenhaare allerdings aufstellt ist der Punkt „Smalltalk und Gespräche“ unter der Geburt. Du hast sicher Recht damit, wenn Du meinst, dass unsensible Worte, Beleidigungen, verbale Angriffe und auch ein Nicht-Reden wenn es nötig ist, nicht gerade optimal sind.

    Aber normale Gespräche? Scherzen? Lachen? Sich einfach nett unterhalten? Da gehe ich nicht konform…
    Wie vielen Gebärenden hilft es wenn sie tröstenden und mutmachende Worte der Hebamme hören? Da würde ich mir Differenzierung wünschen.

    Du kennst sicher das Sprichwort „Schönheit liegt im Auge des Betrachters“?

    Dies gilt ebenso dafür, ob eine Geburt natürlich, original oder fake ist!
    Die Frau entscheidet das.
    Wie sie es empfindet.
    Was ich in meiner Arbeit mit meinen Klientinnen sehr schnell gelernt habe ist, dass ich niemals von außen die Geburtserfahrung beurteilen oder einordnen kann! Das liegt ganz im Empfinden der Frau.

    Der Großteil meiner Klientinnen hat schwierige und traumatische Geburten hinter sich. Das ist ein Schwerpunkt in meiner Arbeit. Ich kann Dir daher berichten, dass dieses Etikettieren von Geburten in „Fake“ und „Original“ nur die Schuldgefühle und Versagensgefühle dieser Frauen verstärkt. Und recht häufig sind diese vorhanden.

    Liebe Grüße!

    1. Liebe Tanja,

      Ich stimme Dir in allen Punkten zu.

      Bezüglich des Small-Talks unter der Geburt ging es mir darum, dass die Gebärende nicht in den tranceartigen Zustand kommen kann, der ihr eine schmerzfreie Geburt ermöglichen könnte. Durch die Gespräche wird das Kommunikationszentrum im Gehirn aktiviert und das Persönlichkeitsgitter erlaubt es dann nicht, dass die Geburtsenergie bis in die Zirbeldrüse voranschreiten kann.
      Ziel meiner Arbeit ist, mit Frauen zusammenzuarbeiten, die bereit sind ihre Energie über die drei Siegel hinauszubringen. Dorthin, wo sie frei von Leid und Schmerz eine irre ekstatische Geburtserfahrung machen können.
      In einem manipulierten Geburtssetting funktioniert es leider nicht.

      1. Ja, ich bin mir bewusst, dass der Neocortex während des Geburtsprozesses nicht stimuliert werden sollte.

        Allerdings geschieht dieser Einstieg in die „Geburtstrance“ schrittweise. Und wenn es schon darum geht, einen physiologischen Geburtsverlauf zu fördern, dann gehört es für einen Teil der Gebärenden insbesondere in der frühen Eröffnungsphase dazu sich auch noch zu unterhalten…Die Orientierung der Gebärenden nach innen geschieht im Idealfall von selbst und die Anwesenden respektieren das.

        Leicht möglich, dass es eine I-Tüpfel-Reiterei meinerseits ist. Da ich Dich allerdings als eine reflektierte Person einschätze, finde ich die Punkte „Gespräche und Smalltalk“ per se einfach unpassend in Deiner Gegenüberstellung.

        Zu Deinem letzten Punkt: mir ist auch im Kreisssaal die eine oder andere Geburt begegnet, von der die Gebärende anschließend berichtet hat, dass sie schmerzfrei geboren hat. Möglich ist alles, nix ist fix. Blöder Spruch, aber gerade für die Geburtshilfe sehr, sehr zutreffend. Das betone ich auch immer in der Geburtsvorbereitung!
        Man kann sich noch so gut vorbereiten, so tief in sich gehen wie es nur geht, viele Punkte bearbeiten und sich die ideale Geburtssituation schaffen.
        Ein Teil des Geburtsprozesses liegt aber immer in der Hand von etwas „anderem“. Wurscht welches Wort der Einzelne dafür hat. Und hier ist dann der Knackpunkt, wenn sich eine Frau zu sehr auf ein bestimmtes Geburtsoutcome versteift!

        Es gibt zahlreiche, qualitative Studien die sich damit beschäftigen, was es braucht damit Frauen mit ihren Geburtserfahrungen zufrieden sein können bzw. sie nicht als traumatisch erleben.

        Die Schmerzfreiheit gehört da nicht dazu! Viel mehr sind es Themen wie wertschätzende Kommunikation mit der Gebärenden und Beteiligung am Entscheidungsprozess.

        Die schmerzfreie Geburt und Alleingeburt ist Deine Nische am „Geburtsmarkt“. Das ist so und soll auch unbestritten sein.
        Allerdings machen auch Deine Worte und Deine Botschaften etwas mit den Frauen da draussen. So wie auch die Worte und der Umgang mit den Frauen beim Arzt, der Hebamme, im Krankenhaus und sonst überall während der Schwangerschaft, Geburt und der Zeit danach…

        Liebe Grüße,
        Tanja

  10. Ich schliesse mich meinen Vorrednerinnen an. Der Artikel trifft mich und reisst alte Wunden auf. Ich habe meine zweite Geburt als traumatisch empfunden. Aber nicht primär des Verlaufes wegen. Hauptgrund war die Aussage meiner Hebamme, dass das ja keine „richtige Geburt“ gewesen sei. Das hat mich so unglaublich traurig gemacht. Ich habe mich alleine durch 20h heftigste Wehen im Rücken gekämpft und glaube, das eigentlich ganz gut gemacht zu haben. Stehend. Allein. Natürlich. Und dann habe ich auf mein Körpergefühl gehört und gesagt, da stimmt was nicht, das ist nicht normal. Überraschte Gesichter, als mein Gynäkologe nicht nur eine posteriore Lage, sondern auch noch einen hohen Geradstand diagnostiziert hat. Darauf hätte man als Hebamme eigentlich kommen können. Während der Sectio dann die nächste Überraschung: Ein uterines Fenster, welches bei Berührung auf der kompletten Länge der ersten Sectionaht aufgesprungen ist.

    Das muss nicht heissen, dass es eine Uterusruptur gegeben hätte. In Anbetracht der Tatsache, dass ich zu diesem Zeitpunkt noch recht weit von der Pressphase entfernt war, aber sehr wahrscheinlich.

    Ich habe auf meinen Körper gehört, weil nur ich ihn kenne.

    Und ich hatte Recht.

    Habe ich nun tatsächlich versagt?

    PS: Nur zu Erinnerung. In der Wissenschaft geht man davon aus, dass ohne moderne Zivilisation und Medizin etwa jede hundertste Frau als Folge einer Schwangerschaft stirbt. Ganz „natürlich“ also. Wollen wir das?

    1. Liebe Lilly,

      Auch für Dich nochmal: Es geht hier nicht darum Versagensgefühle zu erzeugen. Es geht darum, dass die „Natürliche Geburt“ einen mega schlechten Ruf hat, obwohl es sich in 92% dieser Geburten nicht um eine natürlich-physiologische handelte, sondern um manipulierte.

      Das ist, als würde ich rausgehen und behaupten „Äpfel schmecken nicht!“, dabei habe ich Quitten gekostet. Sehen ja fast so ähnlich aus, hängen am Baum und sind gelb.

      Ich schreibe ganz sicher nicht um gezielt alte Wunden aufzureißen. Ich schreibe für eine neue Generation Schwangerer, die sich bewusst ein neues Set und ein entsprechendes Setting kreieren, um das wunderschöne Potential einer Geburt auszukosten. Frei von Schmerz und Leid!

      1. Liebe Jobina,

        Vielen Dank für Deine Antwort und Deine Arbeit was das Thema schmerzfreie Geburt angeht. In vielen Punkten kann ich dir wirklich nur absolut Recht geben.

        Aber. Und hierbei möchte ich Deine Analogie bemühen. Das, was mir und einigen anderen hier wohl sauer aufstösst, ist nicht die Tatsache, dass es einen Unterschied zwischen Äpfeln und Quitten gibt. Das wissen die meisten von uns. Vielleicht ist dir nicht klar, dass du für ein ausgewähltes Klientel schreibst. Die meisten Deiner Leserinnen wissen bereits, was der Unterschied zwischen einer „natürlichen“ Geburt und einer natürlich Geburt ist. Entweder, weil wir selber in der Geburtshilfe arbeiten oder aber, weil wir betroffen sind.

        Ich habe ein Problem damit, dass du in diesem Artikel die Worte „richtig“ und „falsch“ bemühst, „Original“ und „Fake“. Äpfel sind gut. Quitten sind schlecht. So einfach ist es nicht. Manchmal braucht es die Quitten, weil das Rezept sonst nicht funktioniert. Und manche Frauen reagieren auf Äpfel mit einer allergischen Reaktion, deshalb können sie keine essen, auch wenn sie nichts lieber tun würden. Für solche Frauen ist der Artikel blanker Hohn.

        Die Geburten meiner Kinder waren Quitten. Gerne hätte ich Äpfel gehabt, aber irgendwie lief’s nicht so. Trotzdem sind wir nun satt und zufrieden. Nur wenn ich solche Artikel lese, werde ich manchmal noch etwas traurig und denke daran, dass ich auch gerne Äpfel gekostet hätte.

        Ich hoffe, dass du das verstehst.

        Alles Gute

    2. Liebe Lilly! Darum geht es doch, dass wir auf unseren Körper hören, und uns nicht ablenken lassen. Ich finde, Du hast das großartig und sehr selbstbestimmt gemacht! Starke Frau, Du! Du darfst auch auf Dein ursprüngliches Empfinden vertrauen, dass Du es gut gemacht hast, auch wenn Dir jemand anders etwas anderes aufdrücken will. Du hast Dir und Deinem Kind vielleicht das Leben gerettet. Du hast genau gewusst, was zu tun war.
      Julia

    3. Hi Lilly!
      Ich habe ähnliches und doch etwas ganz anderes elebt. Bei mir war es allerdings das erste Kind- geplante Hausgeburt und eine Hebamme bei der ich mich gut aufgehoben fühlte.
      Die Geburt begann natürlich, die Wehen waren von Anfang an heftig, aber auszuhalten…. und irgendwann dieses Gefühl, dass im Hinterkopf aufstieg- sch*** da sollte sich mehr tun. Positionswechsel aller Art, ich habe mich so bemüht und so gekämpft … dann die besorgten Gesichter meiner Hebamme und meines Mannes- Verlegung ins KH (hoher Geradstand- festgestellt von der Hebamme ), dann sekundäre Sectio ( das Schlimmste das ich je erlebt habe, mir wäre es so egal gewesen ob mein Kind stirbt oder nicht- wenn ich nur die Sectio vermeiden hätte können). Bevormundung von Abis Z- jede Visite eine Qual – herablassende Sprüche aller Art von vielen Ärzten über die Tatsache, dass ich eine Hausgeburt versucht hatte. Mein Körper fühlte sich missbraucht an, sofern ich in der ersten Zeit überhaupt etwas fühlte. Meine Hebamme kümmerte sich sehr gut um mich, aber leider war sie die Einzige die das tat. Ich hatte große Probleme mich mit meinem Kind anzufreunden und eine Depression ließ auch nicht lange auf sich warten.
      Meine Hebamme versuchte mit Geduld mir klar zu machen, dass das eine richtige Geburt war- aber ich konnte ihr nicht glauben. Überall musste ich mich rechtfertigen, darüber, dass ich ein Problem damit hatte und vor allem darüber, dass es mir nicht gut ging „Was hast du denn, dein Kind ist doch gesund, dass ist doch das was zählt“… diese Worte waren wie Schläge für mich, denn sie kamen von allen Seiten: Bekannte, Freunde- ich war anfangs nicht einmal fähig mich zu wehren, weinte viel und ärgerte mich maßlos darüber, dass ich leben musste. Es dauerte einige Zeit und ich brauchte verschiedenste Art von Unterstützung, dass dieses Trauma anfangen konnte zu heilen. Jetzt bin ich wieder schwanger und wünsche mir so sehr eine natürliche Geburt mit Sicherheitabstand zum nächsten Krankenhaus, da ich mich in Krankenhäusern so unwohl fühle, dass ich die für eine Geburt nötige Entspannung dort wohl kaum erreichen werde.
      PS: der Gedanke an den Tod schreckt mich nicht mehr- ich habe in den letzten Jahren so viel darüber nachgedacht- für mich ist die Vorstellung des „Weiterleben-müssens“ schlimmer, ich weiß, dass ich diesmal egal was passiert solange ich noch irgendwie denken kann keine Papiere für eine Sectio unterschreiben werde.
      Ich möchte damit niemand zu nahe treten, aber für mich selber möchte ich dies gerne so entscheiden!
      Das vermisse ich nämlich am derzeitigen System: Die Freiheit darüber zu entscheiden was mit meinem Körper gemacht wird oder nicht!

      1. Liebe Petra

        Ich bin gerade sehr positiv überrascht von deinem Text!

        Finde es toll dass du so ehrlich schreibst!!

        Viele Menschen akzeptieren nicht, dass der Tod auch zum Leben dazu gehört…wenn es so sein soll, dass eine Frau oder ein Baby oder beide bei der Geburt sterben…ja dann wird das wohl (leider) so sein. Natürlich wünsche ich das niemandem, aber ich akzeptiere diese Tatsache.

        Aber heute ist es so, dass man in unserem Kulturkreis alles & jeden versucht zu „retten“…oft aus reinem Egoismus.

        Klar ist es meistens schön, wenn man dank fremder Hilfe trotzdem überlebt/einem Baby Leben schenken kann – aber wenn man das nicht will? Sollte man am besten direkt freiwillig auf den Scheiterhaufen…

        …was ich auch interessant finde ist z.B. die Abtreibung von einem Baby mit Behinderung…da ist Töten dann plötzlich ok….aber dass es auch behinderte Menschen geben kann & diese das genau gleiche Recht auf Leben haben wie alle anderen auch, sieht man dann nicht…interessant oder?

        Naja, oft sind mir die Gedankengänge anderer nicht ganz klar….:)

        Schau, dass du primär mit Menschen Kontakt hast/dich über dieses Thema unterhälst , welche dich verstehen. Das andere braucht nur sinnlos Energie 🙂

        Hast du dir schon überlegt, die Geburt ganz allein zu meistern? (Nur mit deinem Mann z.B. im Nebenzimmer?)

        Ich wünsche dir auf jeden Fall für deine nächste Geburt nur das allerbeste & hoffe natürlich, dass diese komplikationslos & selbstbestimmt abläuft & sie die alten Wunden heilen wird!

        Alles Liebe

        Jeany

      2. Liebe Petra,
        Du sprichst in der Tat einen sehr wichtigen Punkt an: „Die Freiheit, darüber zu entscheiden, was mit meinem Körper gemacht wird oder nicht.“
        Ich danke Dir sehr für Deine offenen und mutigen Worte und wünsche Dir von ganzem Herzen eine glückselige Geburt, die Dich langfristig nährt und bis in den letzten Zipfel Deines Seins bereichert.

  11. Muah Endlich mal eine Frau, die den Mut aufbringt, die Dinge beim Namen zu nennen!
    …. Und auch noch den Mut besitzt, sich hier den 92% intervenierten Müttern entgegen zu stellen, die sich entsprechend emotional beleidigt fühlen.

    Den Kommentatorinnen, die diesen wichtigen und wahrheitsgemässen Artikel als „verletzend“ bezeichnen, möge Folgendes gesagt sein:

    Nicht die Worte der Verfasserin verletzen Euch!

    Die Verletzung ist schon längst in Euch vorhanden.
    Die intervenierende Geburtsmedizin hat Euch Eure Verletzungen verpasst!
    Beschwert Euch also an anderer Stelle und zwar beim Verursacher.

    1. Liebe Edelgas!
      Ich habe zu Hause geboren, zwei Mal, und kann trotzdem verstehen, dass sich Frauen von diesem Text herabgewürdigt fühlen können.

  12. Liebe Jobina

    Erst einmal: Herzlichen Dank für deine Berichte, deine Homepage, dein Engagement & deine Weltanschauung! <3

    Zu diesem Artikel möchte ich sagen: Mega toll erklärt! Ich weiss genau, was du damit sagen willst.

    & zu den Frauen, welche sich von deinen Worten verletzt fühlen; du bist nur verantwortlich dafür was du sagst, nicht dafür, was andere verstehen.

    Finde es auch spannend, dass da einige das Gefühl bekommen, sich rechtfertigen zu müssen….

    Bestimmt gibt es seltene Fälle, wo es gut ist, bei einer Geburt auf erfahrene Menschen zurückzugreifen, in ein Krankenhaus zu gehn, unnatürliche Wege zu beschreiten. Aber grundsätzlich bin ich überzeugt, dass eine Frau & das Baby in Ruhe & selbstbestimmt zu Hause am besten & sichersten aufgehoben sind 🙂

    Unser 1. Kind wird im Februar geplant alleine zu Hause geboren werden & das ist gut so! Kontrollen habe ich auch keine gemacht & oh Wunder! Ich bin trotzdem immer noch schwanger & mir gehts sehr gut. 🙂

    Dass eine Hebamme einem nicht sagen wird: go for it! Mach eine Alleingeburt, ist klar. Das entspricht nicht ihrer Überzeugung, die haben ja nicht umsonst Ihren Beruf gewählt…;) & es ist natürlich schön, dass es solche Menschen gibt, welche im Grundsatz anderen helfen möchten. Aber noch besser finde ich es, dass man frei wählen kann, ob man begleitet werden möchte oder eben nicht. Jedenfalls bei uns in der Schweiz…in Österreich zb. sieht das ja leider schon wieder anders aus…

    & für die Frauen, welche Angst vor ihren eigenen Kräften haben oder sich leider schon zu fest negativ von Aussen beeinflussen liessen wünsche ich mir positive, gute Energie & dass sie unendlich viel Selbstvertrauen erlangen dürfen.

    Heute oder Morgen kommt dein Buch, freue mich sehr darauf!

    Bis bald!

    Herzlich aus der Schweiz

    Jeany

    1. Vielen Dank liebe Jeany,

      Richtig verstanden zu werden bedeutet mir sehr viel. Ich freu mich unendlich, dass auch Du Deinen selbstermächtigten Weg gehst und wünsche Dir eine wunderbare Geburtserfahrung.
      Bitte berichte uns! <3

  13. Ich fand diesen Artikel sehr spannend. Ich habe selbst zwei Geburten im Krankenhaus gehabt, beide eingeleitet und damit nicht deinem Natürlich-empfinden entsprechend. Allerdings habe ich mich im Kreißsaal und in der Obhut der Hebammen und Ärzte dort sehr wohl gefühlt und nie das Gefühl gehabt das man gedrängt, bedrängt, überredet oder unter „Gewalt“ leiden müsste. Man muss den Ärzten und auch den Hebammen oft klar sagen was man möchte und was nicht, damit auch diese Menschen wissen woran man ist, denn sie haben ihre Erfahrungen und auch Richtlinien, sie können aber nichts gegen den eigenen Willen tun!
    Ich bin im nachhinein sehr gut beraten gewesen im Krankenhaus zu gebären, denn sonst wäre ich mit meinen beiden Kindern heute nicht hier. Mein Sohn hat sich in der Nabelschnur so verheddert, das nur noch die Chance Bestand das er sich unter der Geburt stranguliert oder die Plazenta löst, was dann in der Notsectio endete. Meine Tochter habe ich Vaginal entbunden, hatte allerdings eine Atonie mit über einem Liter Blutverlust, Not-OP, und viel Glück.
    Ich kann bedenken nachvollziehen, doch solange man sich vorher mit dem Geburtsvorgang beschäftigt, sich Eventualitäten gedanklich durchspielt, sich die Grenzen selbst setzt und den Partner in diese einweiht ( damit er mit den Ärzten und Hebammen diskutieren kann, man selbst seine ruhe hat) ist es auch eine gute Möglichkeit sein Kind unter Aufsicht im Kreißsaal zu bekommen.

  14. Ich würde deinem Artikel gern noch eins obendrauf setzen:

    Zu einer Geburt gehört auch die Plazentageburt und eigentlich auch noch die ersten drei Monate Stillzeit. Der Mensch wird evolutionsbedingt einige Monate zu früh geboren, so dass nach der Geburt die Schwangerschaftssymbiose durch Stillen und fast kontinuierlichem Tragen am Körper von der Natur als überlebenswichtig vorausgesetzt wird.
    Wenn das Baby den Geburtskanal und den Scheidenausgang passiert, dann wird im Körper der Gebärenden eine gewaltige Menge an Oxytocin durch den Hypothalamus freigesetzt. Diese maximale Oxytocinmenge kann eine Frau in ihrem Leben nur kurz nach einer Geburt haben, Männer haben diese natürliche Oxytocinausschüttung niemals in ihrem Leben. Kurz nach der Geburt befindet sich die Frau in einem kurzem Moment der Orientierung bevor sie ihr Kind aufnimmt. Das Kind anzunehmen und aufzunehmen ist nicht nur eine rationelle Entscheidung der Frau, sondern somit Hormon bedingt vorallem durch Oxytocin. Es ist in dem Moment maßgeblich dafür verantwortlich, dass eine Mutter ihr Kind bedingunglos liebt und für es sorgen will.
    In einem Krankenhaus wird in fast 100% der Fällen kurz vor Austritt des Köpfchens oder kurz nach der Geburt ein Tropf mit künstlichen Oxytocin intravenös der Frau verabreicht. Das künstliche Oxytocin blockiert die Rezeptoren im Nervensystem und somit fehlt der Frau dieses maximale „High“-Gefühl, dass bei einer ungestörten, natürlichen Geburt durch die Oxytocinausschüttung entsteht. Das hat Auswirkungen auf die Bindung zum Baby.
    In diesem Zusammenhang ist eigentlich viel wichtiger, was diese Art von Geburtskultur der heutigen Zeit, mit den folgenden Generationen macht. Michel Odent hat sich dazu schon sehr weit aus dem Fenster gelehnt.
    Es ist somit bedauerlicherweise gar nicht wichtig, wie ihr Frauen euch mit euren Geburten fühlt, sondern was euch und euren Kinder und der Gesellschaft genommen wird… die Fähigkeit zu Lieben. Auch die Liebe zur Natur. Eigentlich geht es hier um unser Überleben, um es mal pathetisch auszudrücken.
    Klar, liebt ihr eure Kinder, aber eben nicht so bedingungslos, wie es von Natur aus hätte sein sollen, sonst würdet ihr bis zum Abwinken stillen, eure Kinder bis ans Ende der Welt tragen, sie nicht so zeitig in die Fremdbetreuung geben etc..
    Ihr braucht euch jetzt nicht unnötig aufregen. Es ist nun mal so heutzutage. Wir leben im Zeitalter der Industrialisierung und unsere Geburten sind Teil davon. Ihr könnt eure Geburten bezeichnen wie ihr wollt, wenn ihr damit glücklicher seid, aber hört auf, anderen solche Geburten als natürlich zu verkaufen. Informiert euch, lest euch schlau und dann diskutiert.

  15. Hallo Jobina,

    Ich finde deine Ansicht sehr einseitig. Interventionen kann man ablehnen oder annehmen. Ich wollte sie nicht annehmen aber bin im Nachhinein dankbar es dann doch getan zu haben. So konnte ich immerhin noch „natürlich entbinden“ und das ohne Traumatisierung. Denn nach über 24h Wehen ohne Schlaf konnte ich nicht mehr und ohne die heute verfügbaren Möglichkeiten weiß ich nicht wie es am Ende ausgegangen wäre. Ich habe letztendlich mit PDA und Wehenmitteln schmerz- und angstfrei vaginal entbinden können. Habe auch keine Bindungsprobleme oder sonstiges. Ich finde dein Schaubild unangemessen. Wie viele Frauen sind früher gestorben die heute gerettet werden und mit ihrem Kind glücklich sind. Also etwas mehr umsicht und Relativierung wäre wünschenswert.

  16. Ich habe den Eindruck, dass viele Kommentatorinnen hier eine Kleinigkeit nicht gelesen haben: Jobina schreibt nirgendwo, dass es ihr um Original-Geburten und Fake-Geburten geht. Es gibt also überhaupt keinen Grund, die Geburt des eigenen Kindes als „Fake“ abgewertet zu verstehen.
    Jobina schreibt lediglich über Original-natürliche Geburten und Fake-natürliche Geburten. Und wenn in eine Geburt interveniert wurde (egal ob aus lebensrettender Notwendigkeit oder aus purer Routine), dann ist es eben keine natürliche Geburt mehr, sondern eine intervenierte Geburt.
    Es kann emotional sehr belastend sein, wenn man sich eine natürliche Geburt gewünscht hat und jetzt aufgrund der Interventionen womöglich Selbstzweifel, Versagensgefühle oder ähnliches mit sich rum schleppt. Nur ist diese Geburt deshalb ja trotzdem eine echte Geburt und kein Fake. Sie ist aber eben keine echte natürliche Geburt mehr, auch wenn sich die Frau das noch so sehr gewünscht hatte und es sich jetzt vielleicht schön zu reden versucht. Selbst wenn eine Frau mit der Intervention absolut im Reinen ist und absolut ihren Frieden gemacht hat, bleibt es eine intervenierte Geburt. Diese als natürliche Geburt zu bezeichnen, führt genau zu den Verzerrungen im Vokabular, die Jobina hier aufdeckt.

    Und, ja, ich weiß, wovon ich rede. Meine erste Geburt war eingeleitet und auch sonst mit allerlei kleineren Interventionen verbunden. Für die üblichen Verhältnisse in jenem Krankenhaus war es trotzdem fast schon eine Hausgeburt, so natürlich lief sie ab. Für dieses Krankenhaus galt diese Geburt gewiss als natürliche Geburt. Für mich bleibt es eine intervenierte Geburt, auch wenn es viele Momente gab, in denen ich meinen Instinkten folgen durfte.
    Meine zweite Geburt hingegen war eine Allein-mit Mann-und-Kind-Geburt. Interventionen in Form von Gesprächen und rationalen Gedankengängen gab es währenddessen jede Menge. Und gerade weil ich in dieser zweiten Geburt viel mehr in meinen Instinkten bleiben durfte, ist mir rückblickend noch klarer geworden, wie sehr diese rationalen Teile verhindert haben, dass ich eine „ideale“ Geburt haben konnte. (Also möglichst viel tranceähnliche Phasen, tolles Atmen etc, um so auch den Schmerz zu reduzieren.) – Ja, es war eine wahnsinnig natürliche Geburt. Aber zu Jobinas Ideal von Original-natürlicher Geburt ist noch Luft. Das schließt übrigens nicht aus, dass es trotzdem eine sehr selbstbestimmte Geburt war.
    Denn „selbstbestimmt“ muss ja nicht zwingend „natürlich, ohne jegliche Intervention“ bedeuten. Wenn frau spürt, dass eine Intervention notwendig wird, weil eine natürliche Geburt nicht möglich ist, dann ist es doch wunderbar, wenn sie sich selbstbestimmt für eine Intervention entscheiden kann. Ein Hoch auf den medizinischen Fortschritt! (Die Frauen, die einst unter der Geburt ihr Leben oder das Leben ihres Kindes verloren hatten, die taten das gewiss nicht alle selbstbestimmt, wohl aber teilweise ganz natürlich.)
    Also, liebe Mütter, bitte spielt „selbstbestimmt“ und „natürlich“ nicht gegeneinander aus. Dann müsst ihr euch auch nicht so angegriffen fühlen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.