Geplante Alleingeburt auf einem Segelboot in der Karibik

Sie lebt und liebt die 100%ige  Eigenverantwortung. Fünf Kinder hat sie bereits per Hausgeburt geboren. Als sie ihr 6.Kind erwartet und die Intention hat auch dieses Kind in seinem Zuhause zu gebären, entscheidet sie sich für die “Schiffgeburt”.

Gastautorin Corina Lendfers und ihr außergewöhnlicher Geburtsbericht:

Zwischen 2004 und 2011 haben mein Partner Michael und ich fünf Kinder in unserem damaligen Zuhause in der Schweiz zur Welt gebracht, jeweils im Beisein unserer Hebamme. Im Sommer 2013 haben wir unseren Wohnsitz aufgelöst und sind auf ein Segelboot nach Portugal gezogen. Seither reisen wir mit unseren Kindern durch die Welt. Wir haben Südeuropa, die kanarischen Inseln und die Kapverden in Afrika bereist, sind über den Atlantik gesegelt und waren in Südamerika. Dort entstand unser jüngstes Crewmitglied.

Mein erster Gedanke war, für die Geburt zurück in die Schweiz zu fliegen und sie wieder mit unserer Hebamme als Hausgeburt zu machen. Bloß: In welchem Zuhause?

Das Einzige, was wir in Europa noch besitzen, ist ein altes Wohnmobil, äußerst ungeeignet für eine Geburt, bei der auch die Kinder dabei sein wollten. Im Laufe der Schwangerschaft wurde der Wunsch immer klarer, auch dieses Baby in seinem Zuhause zu gebären. Nur, dass sein Zuhause halt das Schiff sein würde. Die Schwangerschaft verlief – wie  alle anderen zuvor – vollkommen unaufgeregt und problemlos. Ich segelte weiter, arbeitete weiter am Boot, unternahm Ausflüge, unterrichtete die Kinder, flog mit meiner Familie im Herbst in die Schweiz und vor Weihnachten wieder zurück in die Karibik. Nichts deutete auf mögliche Komplikationen hin, nichts sprach gegen die Geburt auf dem Schiff. Ich war halt einfach schwanger. So begaben wir uns auf die Suche nach einer Hebamme, die eine Schiffsgeburt begleiten würde. Wir suchten in der Schweiz und in Deutschland und schließlich vor Ort in Trinidad. Erfolglos.

Immerhin gibt es in Trinidad ein Geburtshaus, das Einzige in der ganzen Karibik. Eine Krankenhausgeburt habe ich für mich immer ausgeschlossen. Wir besichtigten das Geburtshaus, das von engagierten und sympa­thischen Hebammen geführt wird und auch durchaus mitteleuropäischem Standard entspricht. Aber ich bin keine Geburtshaus-Gebärende. Nicht nach fünf selbstbestimmten Hausgeburten. Und nicht nach über vier Jahren Reisen.

Seit unserem Aufbruch 2013 sind Michael und ich für jeden einzelnen Aspekt unseres Lebens vollkommen selbst verantwortlich – für unsere Gesundheit (auch auf hoher See, wo kein Arzt erreichbar ist), für die Si­cherheit unserer Familie in fremden Ländern und Kulturen, die Bildung der Kinder, den Zustand des Schiffes, die Gestaltung unseres Alltags, die Planung der Zukunft. Wir sind nicht nur frei, sondern eben vor allem eigenverantwortlich. Es war für mich absolut unmöglich, die Verantwortung ausgerechnet für die Geburt aus der Hand zu geben. Und das hätte ich tun müssen, hätte ich im Geburtshaus gebären wollen.

Das ist unser Weg, der uns zur Alleingeburt geführt hat. Wir entschieden uns gemeinsam dafür und ich bereitete mich mittels Literatur darauf vor. Da wir auch mit der Möglichkeit gerechnet hatten, dass das Baby das Licht unserer Welt während eines Segeltörns auf hoher See erblicken könnte, hatten wir alle notwendigen Sachen an Bord wie wasserdichte Unterlagen, Wochenbetthosen und -binden, auch Nabelschnurklemme und -schere, dazu eine umfassende homöopathische Apotheke, Schüsslersalze und für den absoluten Notfall auch Infusionen. Es war uns klar, dass wir ohne Hebamme auch die Wochenbettversorgung selbst machen würden. Es ging uns sehr gut, wir freuten uns auf die Geburt.

Sie begann am 16. Januar 2018 am frühen Abend mit einem Blasensprung, nach dem auch bald darauf kräftige Wehen einsetzten. Michael und ich ließen uns von den Wellen des Meers schaukeln und warteten. Die Kinder beschäftigten sich selbst, kamen vorbei, gingen wieder. Ich habe keine Geburt so bewusst erlebt wie diese. Ich spürte jede noch so kleine Veränderung meines Körpers, konnte Michael immer sagen, was gerade vor sich ging. Nach den fünf Hausgeburten kannte er nicht nur meine Reaktionen, sondern auch die Arbeit der Hebamme. Er empfing nach 2 ½ Stunden Wehenarbeit unseren Sohn Andri Laurent, den ich kniend in unserer kleinen Kajüte gebar, die ich kein einziges Mal während der Geburt verlassen hatte. Seine Geschwister standen bei seinem ersten Schrei bei uns, um ihn zu begrüßen. Über eine Stunde später folgte die Plazenta, die wir dem Meer übergaben.

Wir haben es geschafft. Auf unserem Segelschiff, in einem fremden Land ohne Unterstützung. Erleichterung, Dankbarkeit und ein tiefes Glücksgefühl. Andris Geburt ist das kostbarste Geschenk unserer Weltreise.

Autorin Corina Lendfers und ihre Familie

Mehr zu Corina, ihrer Tätigkeit als Autorin und dem Leben auf einem Segelschiff findest Du auf ihren Websiten:  www.corinalendfers.com und  www.segel-vision.com.

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Text + Fotos © Corina Lendfers

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