Was wird es denn? – Die Meisterschaft der Geduld …

 

Wenn eine Frau ihren eigenen Zustand akzeptiert hat und der Öffentlichkeit bekundet „Ich bin schwanger!“ – dann rückt eine bedeutende Frage in den Vordergrund:

WAS WIRD ES DENN?

Tja, um genau zu sein, “Es wird nicht mehr!“

„Es ist bereits!“

Denn, rein biologisch betrachtet, steht das Geschlecht des Kindes bereits fest, wenn  Papa´s Samenzelle mit Mama´s Eizelle verschmolzen sind.  Bringt die Samenzelle ein Y-Chromosom mit, ist ein männlicher Nachkomme gezeugt. Ein X-Chromosom  erzeugt ein weibliches Embryo. Was sich jetzt im geheimnisvollen Schutze unter Mamas Bauchdecke  entwickelt, ist bereits entschieden.

Nun hat die Natur vorgesehen, dass sich nach etwa 10 Mondmonaten zeigen wird, was bisher vorborgen blieb.

Die moderne Welt hingegen sieht vor,  

dass Eltern ab der 16. Schwangerschaftswoche wissen müssten, ob sie einen Jungen oder ein Mädchen gezeugt haben. Deshalb stellt sich dann die häufige Frage: „Was wird es denn?“

Nun gut, es ist nicht vorgeschrieben, es „wissen zu müssen“. Eltern dürfen sich auch überraschen lassen. Allerdings hören sie dann etwa 6 Monate lang die verwirrte Frage: „Hat man es Euch nicht gesagt?“

Brrr, ich mag diese Frage nicht! Sie klingt wie „Hat man Euch nicht informiert? Hat man Euch in dunkelster Unwissenheit gelassen? Hat MAN …? – Wer ist MAN? Der Arzt, die Wahrsagerin? Die alleswissende Quelle der Informationen?

Oder aber …

„Habt Ihr es Euch nicht sagen lassen?“  Das klingt wie „Wow … Ihr wisst, wo die Weihnachtsgeschenke versteckt sind und schmult nicht hinein?“

Ganz sicher gibt es einige Gründe, das Babygeschlecht vorher zu lüften, denn es erlaubt ein geschlechtsspezifischeres Einkaufen von der Kinderzimmereinrichtung bis zu Baby´s  erstem Modestyle. Interessant wird es, wenn die Vorhersage nicht korrekt war. Damit platzen häufig die Wunschvorstellungen und Erwartungen. Dann hat Papa doch keinen Geschäftsnachfolger und Mama muss zusehen, wie sie aus all den coolen Shorts ein paar niedliche Röckchen näht.

Zu Recht fragen sich auch Einige (politisch Korrekte), ob wir mit dem Lüften des Babygeschlechts  die Gender-Mainstreaming-Debatte bereits in den Mutterleib verlegen?   Beginnt hier bereits die Geschlechterrolle?

Wiederum andere Experten sprechen sich FÜR das Wissen des Geschlechts aus. Sie befürworten den Aufbau einer intensiven Beziehung, die sich dadurch pränatal entwickelt.

Mit dem Geschlecht geht dann häufig die Wahl des Namens einher und so wird aus dem unbekannten Bauchbewohner eine kleine Persönlichkeit. Die Rabauken und Prinzessinnen erhalten hier bereits Charaktereigenschaften zugeschrieben, die völlig subjektiv an der Aktivität in Mama´s Bauch gemessen werden. Es entschuldigt bisweilen auch das Aussehen der Mutter. Kleinen Töchtern im Bauch wird eifrig angelastet, die Schönheit der Mutter geklaut zu haben. Und manchmal rechtfertigt das Geschlecht dann auch die Abweichung vom Geburtstermin. So dürfen mutige kleine Kerle schon mal ein paar Tage früher die Welt erstürmen und Mädchen machen sich in aller Ruhe noch ein paar Tage hübsch (*ironie*) Was die Umwelt und auch so manche werdende Eltern so alles in ihre Kinder hineininterpretieren ist grenzenlos. Schade. Somit eilt dem ungeborenen Kind ein gewisser Ruf vorraus.

Dennoch: 20% aller werdenden Eltern lassen sich überraschen. Sie warten geduldig den Moment der Geburt ab. Sie wissen, dass sie das Geschlecht nicht mehr ändern können. Es wird nicht mehr. Es ist bereits.

Sie bereiten sich auf ein gemeinsames Kennenlernen vor. Nicht der Arzt ist der Überbringer der Botschaft, sondern das Überraschungsbaby selbst. Das Baby darf sich seinen Eltern selbst vorstellen. Ein Blinddate für beide Seiten.

Macht das Baby sich auf den Weg, geboren zu werden, befindet sich die elterliche Spannung und die Vorfreude auf dem höchsten Punkt. Die Eltern haben die Zeit der Neugierde gemeistert und sich in wunderbarer Geduld geübt. Sie haben trotzdem eine Beziehung zum Baby aufgebaut und ganz sicher auch versucht, einen inneren Zugang zu finden, um zu entdecken, was sich (noch) geheimnisvoll versteckt. Mama hat längst versucht ihre Träume zu interpretieren und Papa das Morse-Alphabet mit den Klopfzeichen abgeglichen.

Unmittelbar zum Geburtszeitpunkt, wenn das Baby nun aus dem behüteten Schoß gleitet und in die Arme der Mutter genommen wird, liegt dort ein neues frisches Wesen. Völlig unbelastet irgendwelcher Rollen. Es ist immer noch ein ES und es zeigt sich den Eltern bedingungslos. Es ist glitschig, feucht und warm – es riecht so wunderbar – und es ist so klein, dass es sich sofort wieder zusammenfaltet und in Embryohaltung die Beine verschränkt. So sitzen die glücklichen Anwesenden der Geburt zusammen und freuen und weinen und küssen sich – sie befinden sich außerhalb des üblichen Denkens zwischen Kontrolle und Zeit. Sie sitzen einfach nur da und bestaunen das neu angekommene Wesen als eine kleine Einheit Mensch.

Und manchmal … manchmal dauert es ewig, bis die frischen Eltern auf die Idee kommen, dem Kind zwischen die Beine zu blinzeln.

 

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