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Trotz Verlegung: Warum es sich gelohnt hat eine Alleingeburt zu planen.

Geburtsbericht und Resümee einer Mama, die bereits die Erfahrung von zwei Kaiserschnitten mit sich trägt als sie eine Alleingeburt plant und beginnt

Den ganzen Tag habe ich leichte unregelmäßige Wellen. Die erste weckte mich früh um 6 Uhr. Eine leichte Vorfreude stellte sich ein, ich bleibe aber gelassen, weil es gut sein kann, dass es nur Übungswehen sind. Kann sein, dass es losgeht, könnte aber auch noch dauern, denn bis zu dem von mir geschätzten Geburtstermin ist es noch eine Woche. So verfolge ich meinem geplanten Tagesverlauf. Ich mache zum letzten Mal meine Schwangerschaftsgymnastik und verbringe einen schönen Tag mit meiner Familie. Nachmittags sind wir bei Freunden zu einem Fest eingeladen. Wenn ich eine kleine Welle feststelle, bin ich zufrieden, dass der Tag so verläuft, wie ich es mir immer vorgestellt hatte: Friedlich und heiter im Kreis von lieben Menschen.

Auf dem Rückweg nehmen die Wellen zu. Ich muss sie schon leicht veratmen. Zu Hause angekommen übergebe ich meinem Mann die gesamte Abend-Organisation. Während die Familie das Abendessen vorbereitet und sich bettfertig macht, versuche ich mich noch eine Weile hinzulegen. Die Wellen kommen nun tatsächlich regelmäßig und immer öfter und immer stärker. Ich setze mich noch ein wenig zur Fernsehrunde dazu und lasse mir von meiner großen Tochter (10 Jahre) den Rücken streicheln. Dann muss die Kleine (5 Jahre) ins Bett gebracht werden und ich gebe mir Mühe, neben ihr liegen zu bleiben, bis sie einschläft.

Als alle anderen im Haus schließlich schlafen und ich es nicht mehr im Bett aushalte, laufe ich in der Wohnung herum und bleibe lieber alleine im Wohnzimmer. Das tiefe Tönen mit den Worten „weich und weit“ tut mir gut. Es ist eine schöne Erfahrung festzustellen, wie diese Worte spontan in mir aufkommen und helfen. Es ist eine angenehm warme Sommernacht und Wochenende. Die Straße unter unserem Wohnzimmerfenster ist voller Lärm, Leben und Bewegung. Das hat eine beruhigende Wirkung auf mich, während ich zwischen den Wellen immer wieder auf der Couch liege und ein wenig eindöse.

Nach Mitternacht gesellt sich mein Mann zu mir auf die Couch. Ich habe kein Bedürfnis nach einer besonderen Unterstützung seinerseits, er ist einfach da und vertraut mir. Unsere kleine Tochter wacht zwischendurch auf und schaut vorbei. Sie kuschelt sich ein wenig zu uns und sagt zu mir: „Tief durchatmen, Mama.“  Ich bin gerührt und habe diesen Moment als einen der schönsten während der Geburt in Erinnerung.

Irgendwann in den frühen Morgenstunden gehe ich auf Toilette und versuche nach dem Muttermund zu tasten. Es scheint sich nichts verändert zu haben, falls ich das überhaupt richtig einschätzen kann. So sicher bin ich mir nicht, ich komme nicht gut dran und will einfach weiter geduldig sein. Ich werde immer müder, aber die Wellen kommen unerbittlich weiter. Ich spreche zu ihnen und zu meinem Körper und zu meinem Kind, dass ich eine Pause brauche. Etwas muss passieren. Ich will entweder fühlen, dass es vorwärts geht oder dass ich eine Pause bekomme. So wie die Lage ist, kann es nicht bleiben, weil ich unglaublich müde und erschöpft bin. Die Wellen kommen alle 2 – 3 Minuten und ich stelle fest, wenn ich sie konzentriert durchstehe, bin ich in der Lage es gut auszuhalten. Doch wenn ich so müde auf der Couch hänge und mich von ihnen überrollen lasse, empfinde ich sie als sehr schmerzhaft.

Als es draußen schon hell wird, taste ich noch einmal nach dem Muttermund und muss feststellen, dass sich immer noch nichts tut. Irgendwann weiß ich, es ist soweit: ich brauche Hilfe.

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