Endlich im eigenen Tempo gebären. Alleingeburt beim 3.Kind

Sie hatte bereits eine Hausgeburt und doch blieb ihr etwas verwehrt. Etwas was sie beim dritten Kind endlich meistern wollte: Im eigenen Tempo zu gebären.  
Gastautorin Katharina Keßler mit ihrem wunderbaren Geburtsbericht einer Alleingeburt.

Als ich, 29 Jahre alt, mit Carla schwanger war, erinnerte ich mich an meine letzte Geburt (vor etwa 2 Jahren) zu Hause mit Hebamme. Sie war ruhig und gut, aber ich konnte nicht in meinem Tempo gebären, die Schmerzen der Endphase hatten mich übermannt und mir war klar, das möchte ich so nicht nochmal erleben. Die nächste Geburt wird eine, wie ich sie nannte, „Wellness-Geburt“ werden. Schön ins Krankenhaus, PDA und gut ist.
Aber als ich dann konkret über die Krankenhaus und PDA-Sache nachdachte, hatte ich keine gutes Gefühl und durch irgendeinen Zufall, bin ich auf die Seite „Meisterin der Geburt“ gestoßen . Als ich einen der Geburtsberichte las, war ich so berührt, dass ich von da an MEHR wissen musste.

Ich geriet in einen Wahn. Als ich alle Geburtsberichte der Internetseite durch hatte, bestellte ich mir das Buch. Danach war mir klar, mein größter Wunsch ist es, so eine wundervolle Geburt, selbstbestimmt und in eigener Energie und Tempo zu erleben. Aber mir war auch klar, dass ich dafür noch VIEL mehr Informationen brauchte. Also ging die Recherche weiter. Ich stieß auf Sarah Schmid, ihre Seite, ihre Videos und ihr Buch „Alleingeburt“. Dann ging es weiter mit “Die selbstbestimmte Geburt” von Ina May Gaskin (Hebamme). Darin fand ich den Abschnitt über die lustvolle Geburt sehr interessant und die Beobachtung, dass der Muttermund auch wieder zugehen kann, wenn die Frau sich absolut unwohl fühlt.
Immer wieder schwärmte ich meinem Mann Dennis von meinen neuen Erkenntnissen und meinem Wunsch, die Geburt in Eigenenergie zu planen vor. Seine Reaktionen war mal total positiv und mal total dagegen und voller Angst und Sorge. Wir sprachen viel und ich wünschte mir, dass er mein Vorhaben respektieren und unterstützen würde. Es fiel ihm nicht leicht, aber zum Schluss gab er alle Verantwortung an mich ab und vertraute mir. Wir besprachen das natürlich auch mit unserer Hebamme, die uns absolut dabei unterstützte. Auch besichtigten wir die Klinik, wo sie einen Belegvertrag hatte, für alle Fälle.
4 Tage vor der Geburt hatte ich etwas klares glibbrig-schleimiges im Slip entdeckt. Da dachte ich, es könnte der oder zumindest ein Teil des Schleimpfropfes gewesen sein und irgendwann in den nächsten Tagen losgehen. Ich hatte immer wieder mal leichte Kontraktionen, aber nichts, was den unmittelbaren Geburtsbeginn ankündigen könnte. Am Abend vor dem Tag der Geburt hatte ich im Bett vereinzelt etwas deutlichere Kontraktionen. Gegen 4:00 Uhr musste ich mit unserem 2-jährigen Pipi machen und hatte leicht bräunlichen eher flüssigen Ausfluss. Ich versuchte weiter zu schlafen, konnte aber keine Ruhe finden und hatte Hunger. Also ging ich runter und machte mir ein gutes Frühstück. Ich aß im Stehen, weil ich irgendwie in Bewegung bleiben wollte. Ich hatte zwischendurch immer wieder leichte Kontraktionen und auch Verdauung. Gegen 6:38 Uhr hatte ich leicht blutigen(hell) Ausfluss und wusste, okay heute oder morgen ist der Tag an dem unsere Carla kommt. Juhu…
Ich ging ins Bad und machte mich hübsch. Augenbrauen, Wimperntusche und etwas Rouge. (Kleiner Tipp, beim nächsten Mal würde ich wasserfeste Tusche nehmen 😉 )
Da ich bisher noch nicht einmal meinen Bauchumfang gemessen hatte, erledigte ich das schnell noch. Es waren 117 cm.
Am Vormittag ging ich mit meinem Mann, den Hunden und dem 2-jährigen eine kleine Runde spazieren. Es war kalt und klar. Die frische Luft hat extrem gut getan. Ich hatte immer wieder mal leichte Kontraktionen.
Zu Hause angekommen saugte mein Mann nochmal durch und wir bauten den Pool auf, den wir von unserer Hebamme ausgeliehen hatten. Unser großer Sohn (10 Jahre) und der Kleine halfen super mit.
Jetzt war es Essenszeit und mein Mann machte leckere Burger. Nach unserer kurzen Mittagsruhe auf der Couch bemerkte ich, dass der Kleine etwas Temperatur und rote Wangen hatte. Das machte mir ein wenig Sorgen, da wir eigentlich vor hatten die Kinder zur Tante zu geben, wenn es zur Sache ginge. Unter diesen Umständen war uns aber klar, dass wir umdisponieren mussten. Also informierte ich unsere Hebamme, dass wir sie doch gerne dabei hätten, da Dennis sich ja überwiegend um die Kinder kümmern wollte und in einer heiklen Situation evtl. überfordert wäre, sich auch noch um mich und Carla kümmern zu müssen. Da sie zu dem Zeitpunkt noch bei einer anderen Geburt war, verblieben wir so, dass sie kommen sollte, wenn sie dort fertig war.
Danach gingen Dennis und die Kinder hoch zum Spielen. Ich stellte die Kamera auf und filmte mich beim weiteren Aufbau. Die Folie musste in den Pool und ich hatte eine Matratze (140×200) mit Malerplane und Handtüchern ausgelegt. Ich war mir nämlich noch nicht sicher, ob ich am Ende im Wasser oder an Land sein möchte.
Ich hatte immer wieder ordentlich Stuhlgang und um 15:15 Uhr dann Durchfall. Etwas übel war mir zeitweise auch.
Da die Wehen jetzt immer regelmäßiger kamen und ich mal einen Überblick haben wollte lud ich mir eine Wehenapp aufs Handy. Es war jetzt 15:27 Uhr. Die Wehen kamen alle 3 Minuten für ca. 50 Sekunden und ich empfand sie als mittelstark. Eine Stunde später (16:30 Uhr) saß ich im Pool und konnte richtig gut entspannen. Die Wärme und das Wasser taten so gut. Ich hatte das Gefühl, dass die Abstände zwischen den Wehen länger wurden. Das stimmte aber nicht. Das Gefühl kam wahrscheinlich daher, dass ich zwischen den Wehen entspannte und keine Wäsche aufhängte oder sonst etwas tat. Ich nickte auch immer wieder mal kurz ein.
Mein Baby bewegte sich immer wieder und ich wusste, es geht ihr gut.
Ich saß im Pool mit dem Rücken angelehnt und den Kopf auf dem Rand abgelegt. Wir hatten den Pool nicht zu voll gemacht, da wir ja nicht wussten wie lange ich drin bleiben wollte und meine Männer immer wieder einen Topf kochendes Wasser hineingossen, damit es warm blieb. Der obere Bauch guckte aus dem Wasser, was etwas unangenehm kalt war. Deshalb nahm ich ein kleines Handtuch, tunkte es ins Wasser und legte es mir auf den Bauch.

 

Ich wechselte ab und zu mal auf die Knie. Dabei legte ich meinen Oberkörper auf dem Poolrand ab. Das kleine Handtuch legte ich mir dann auf den unteren Rücken, der sonst so kalt wurde. Als ich auf den Knien war, merkte ich, dass die Wehen produktiver waren. Im Sitzen konnte ich immer etwas ausruhen. Also wechselte ich immer mal hin und her. Irgendwann hatte ich den Punkt erreicht, an welchem ich mich fragte, wie lange das noch so weiter gehen sollte. Ich war etwas genervt. Bei meiner letzten Geburt, war das der Punkt wo der Muttermund (MM) ca. 8 cm geöffnet und die Geburt kurz bevor stand. Also kniete ich mich hin und versuchte selbst zu fühlen, wie weit der MM geöffnet war. Ich fühlte etwas samtig weiches (vermutlich die Fruchtblase) und spreizte die Finger. Da ich weder Erfahrung noch Vergleichswerte hatte, war das nicht besonders aufschlussreich. Okay, ich wusste DASS der MM offen war, aber wie weit? 6 cm oder mehr, keine Ahnung. Die Wehen wurden etwas stärker und es fühlte sich an, als würde der Kopf dicht am Geburtskanal sitzen. Da ich ungeduldig war, wartete ich die nächste Wehe ab und drückte einfach mal etwas mit. Damit war der Endspurt eingeleitet und es ging voran. Alle weiteren Wehen wurden stärker und erforderten meine volle Aufmerksamkeit. Es war wie ein Turbo, der plötzlich bei jeder Wehe ordentlich cm machte. Die Wehen kamen auch mit kürzeren Abständen und ich spürte, wie der Kopf in den Geburtskanal wanderte. Ich blieb weiter auf den Knien und hatte meine rechte Hand immer an der Scheide, um den Fortschritt zu fühlen. Ich hatte so eine gute Rückmeldung über die Öffnung. Nach ein paar Wehen platzte die Fruchtblase und ich schaute kurz aufs Handy, es war 18:45 Uhr. Kurz darauf kam Dennis runter, um nach mir zu sehen. Wie er mir später erzählte, fischte er da meine Kackwürstchen 😉 aus dem Pool. Ich hörte, dass die Kinder die Treppe runter kamen und sagte zu Dennis, dass die Fruchtblase geplatzt sei und dass er die Kinder ja rausschaffen soll, da ich meine Ruhe brauchte. Die Wehen kamen jetzt sehr schnell hintereinander und waren sehr stark. Mit der rechten Hand spürte ich also, wie sich meine Scheide öffnete und der Kopf langsam runterkam. Immer etwas vor, dann wieder komplett zurück. Wieder ein Stückchen vor, dann wieder zurück. Und dann brannte es ordentlich. Der Kopf war kurz davor, durchzukommen. Aber ich behielt die Ruhe und ließ es noch einmal zurück gehen. Ich wollte nicht reißen und dem Gewebe noch etwas Zeit geben. Ich fühlte den Kopf an meiner Hand. Juhu dachte ich, gleich ist es geschafft. Mit der nächsten Wehe war dann der Kopf geboren und ich überglücklich. Ich wusste, dass ich jetzt noch kurz verschnaufen konnte und bei der nächsten Wehe flutschte der Körper meiner Kleinen aus mir heraus. Es war so wunderbar. Und ich war in jedem Moment absolut bei mir. Genau so hatte ich mir das vorgestellt. Ich hatte keine Sekunde Zweifel oder Angst.
Ich war eher leise und stöhnte nur etwas beim Drücken, aber als hätten sie es geahnt, kam Dennis mit unserem kleinen auf dem Arm nur einen kurzen Moment danach zu mir. Gerade hatte ich Carla aus dem Wasser genommen. Sie war noch ganz still. Dennis stand wie gebannt vor uns und hielt den Atem an. Als unsere Kleine ihren ersten Schrei machte, stieß Dennis einen Freudenschrei aus, riss die Arme hoch und rief den Großen runter. So standen meine 3 Männer vor uns, umarmten sich und trockneten ihre Freudentränen. Da Carla etwas Wasser in den Atemwegen hatte, habe ich sie kurz etwas nach vorne gebeugt gehalten, damit die Flüssigkeit rauslaufen konnte. Danach war ihre Stimme auch klarer. Etwas zittrig lehnte ich mich zurück und legte mir unser neues Familienmitglied auf die Brust.

Ich konnte das Ganze nicht realisieren. Es war so wunderschön und erschien mir doch so unwahr. Ein bisschen, wie ein Traum.
Ungefähr 10 Minuten später kam unsere Hebamme. Das war perfektes Timing. Sie und Dennis halfen mir aus dem Pool heraus. Die Plazenta kam dann ca. 15/20 Minuten später. Zum ersten Mal war ich nicht gerissen. Vielleicht wegen des Wassers, vielleicht, weil ich in meinem eigenen Tempo die Geburt meistern konnte, wer weiß. Leider hatte ich wieder Hämorrhoiden, die in den nächsten Tagen noch SEHR unangenehm waren, aber gut. Wenn das der Preis ist, zahle ich ihn gerne.

Ich bin so dankbar, dass ich so eine schöne Erfahrung machen durfte. Danke, an meinen Mann Dennis, der mir sein Vertrauen geschenkt und mir das ermöglicht hat. Und danke, an alle Frauen, die ihre Erfahrungen in Bücher schreiben, Geburtsberichte und vor allem Geburtsvideos ins Netz stellen, denn so konnte ich mich so umfangreich auf meine Geburt vorbereiten.

Text+Fotos Katharina Keßler

Ein Gedanke zu „Endlich im eigenen Tempo gebären. Alleingeburt beim 3.Kind“

  1. Liebe Katharina, meinen aller herzlichsten Glückwunsch zu dieser wunderbaren Geburt. Ganz gebannt habe ich deinen Bericht gelesen, es ist fantastisch, dass du deine/eure Tochter so unkompliziert zur Welt gebracht hast. Du bist eine tolle, tapfere Frau und hast einen wunderbaren Mann und nun drei wunderbare Kinder. Es grüßt dich und deine Familie Andrea aus Weisel

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