Schmerzfreie Alleingeburt zum Zweiten

Seit Tagen habe ich kein „Du willst es wirklich alleine machen?“ mehr gehört. Der Stadtteil wirkt wie ausgestorben. Alle sind im Sommerurlaub. Manchmal verirrt sich eine kurze Nachricht auf mein Mobiltelefon: „Immer noch nichts Neues?“

„Nein, ich bin immer noch schwanger!“

Siebzehn Tage nach dem errechneten Geburtstermin schiebe ich noch immer eine ruhige Kugel. Ich halte nichts von Versuchen, die Geburt einzuleiten. Stattdessen vergewissere ich mich über mein Körperbewusstsein, dass alles in Ordnung ist. In dieser Schwangerschaft habe ich die Kommunikation zum Körper und zum Baby weiter ausgebaut. Seit dem 5. Schwangerschaftsmonat genieße ich nahezu jeden Tag mein 30 minütiges Training.(*) Manchmal dehne ich es zeitlich aus, denn es ist längst keine Pflicht mehr. Es hat sich zum Genuss entwickelt, das Alltagsbewusstsein und die Persönlichkeit beiseite zu legen und still in die Kerze zu fokussieren.

Der August wendet bereits seine Wärme ab und erfrischt den Abend mit herbstlicher Kühle. Seit dem Rasenmähen am späten Nachmittag spüre ich Aktivitäten im Bauch, die regelmäßiger werden. Um 19.45 Uhr verkünde ich freudig, meinem nach Hause kommenden Mann, dass ich Wehen habe. Etwas später bringen wir unseren Sohn (unsere 1. Alleingeburt) ins Familienbett und schlafen gemeinsam ein.

Das laute Prasseln auf´s Dachfenster weckt mich aus meinem Dämmerzustand. Ich stelle fest, dass es regnet und dass ich so nicht mehr liegen bleiben kann. Ich schiebe meinen Unterkörper aus dem Bett, so dass ich mein Becken kreisen lassen kann, während der Oberkörper noch auf dem Bett ruhen darf.

Eine ganze Weile lausche ich dem Regenguss und denke darüber nach, warum ich ganz intuitiv mein Becken rechtsdrehend kreisen lasse. Umso bewusster ich den Bewegungen meines Beckens nachspüre, bemerke ich , dass diese eher spiralförmig verlaufen. Spontan erscheint mir vor meinem geistigen Auge das Bild der Kundalini-Energie. Ist das bewusst? Oder unbewusst? Ich stoppe diesen Bewegungsablauf und versuche ganz bewusst eine andere Bewegung mit dem Becken auszuführen. Meine Experimentierfreude bleibt bei der liegenden Acht hängen.  ∞  Die liegende Acht, das Symbol der Unendlichkeit, bereitet mir ebenso ein ganz wunderbares Wohlbefinden in meinem immer weicher werdenden Schoß.

Um 23Uhr bemerke ich eine knackige Welle, die mich zum Mitreiten einlädt. Ich bin so voller Freude, dass es jetzt endlich losgeht, dass ich meine Gebärmutter gedanklich anfeuere. „Jaaa … gib mir mehr davon … mach mich weit … öffne mich!“ Ich nehme jede Welle voller Freude entgegen, um mich darauf zu schwingen und sie zu reiten. „Aah …Gib mir noch eine! … Na komm schon! … Ich kann noch was vertragen! … Gib mir den nächsten Zentimeter! … Lass mich weeeeeiiit werden!“

Ich will jetzt nicht mehr leise sein, sondern das Abenteuer Geburt genießen können. Ein paar Aaahs und Ooohs werden noch kommen und deshalb verlasse ich das Schlafzimmer, um die beiden Männer nicht zu wecken.

Auf den Beinen stehend überlege ich, wo ich jetzt gern sein möchte. Ich bemerke, dass es auch in unseren Räumlichkeiten schon richtig kühl geworden ist. Vielleicht sollte ich ein warmes Bad nehmen? Ich habe noch niemals ein Kind im Wasser geboren und kenne doch so viele Wassergeburtlerinnen, die davon schwärmen. Ich werde wohl all diese Frauen niemals verstehen, wenn ich es nicht selbst erlebt habe.

Also lasse ich warmes Wasser ein und begebe mich in die Badewanne. Hm. Soweit ganz nett. Wo kann ich mich denn hier festhalten?

Ich probiere verschiedene Positionen aus und versuche wieder in meinen trainierten Bewusstseinszustand zurückzufinden. Einige Wehen später steige ich kurzentschlossen wieder aus dem Wasser. Das ist nix für mich! Ich brauche Boden unter den Füßen.

Mein Mann kommt verschlafen ins Bad. „Geht’s los?“ Ich nicke ihm zu und lächle fast erleichtert. „Ja … heute bekommen wir unser Baby!“

„Fein! Dann mach ich mal die Heizung an!“ Dankbar blicke ich ihm nach. Der Gasofen fängt sofort an zu bollern.

Ich trockne mich ab, ziehe mir etwas Warmes über und geselle ich mich zu ihm. Er sitzt im Wohnzimmer am Esstisch und klappt entspannt seinen Laptop auf. Wir besprechen noch Einiges, aber ich kann mich im Nachhinein nicht mehr daran erinnern. Ich verlasse das Gespräch am Esstisch immer wieder, um mich in den Türrahmen zu stellen.

Mein Mann grinst: „So erkenn ich  dich wieder!“

Erinnerungen an unsere erste Alleingeburt werden wach.

Tatsächlich benötige ich offensichtlich keinen Geburtspool zum Gebären, und auch kein Luxusbett. Ich liebe es, einfach nur im Türrahmen zu stehen! Den unteren Rücken und den Po an die eine Seite gelehnt und die Unterarme am gegenüberliegenden Rahmen finde ich die beste Position, um mich weiter für die Geburt zu öffnen.

Geburtsarbeit im Türrahmen
Geburtsarbeit im Türrahmen

Ich nehme wieder die spiralförmigen Beckenbewegungen auf und reguliere den nötigen Widerstand durch den Türrahmen. Mein Kopf ruht zwischen meinen Armen und ich schließe die Augen, um mit den Wellen bewusst zu agieren. Noch immer sende ich gedankliche „Befehle“ an meine wunderbare Gebärmutter und halte den Fokus aufrecht, jeden Zentimeter des Öffnens genussvoll anzunehmen.

„Na … eine Stunde noch!“ höre ich meinen Mann sagen. Verstohlen blickt er von seinem Laptop auf. Ich sende ihm einen kurzen Blick. Selbstbewusst fügt er noch hinzu „Ich kenn doch meine Frau!“

Mit einer Zuversicht und Leichtigkeit gibt er seine Zeitprognose ab, dass ich mich gezwungen sehe, ihm zu antworten.

„Aaaah… kannst du bitte zu Protokoll nehmen, dass es echt Arbeit ist? … Nicht, dass ich das Morgen wieder vergessen habe! Er lacht: „Ist doch cool, wenn du jetzt schon weißt, dass du dich morgen daran nicht mehr erinnern wirst!“

Dann konzentriere ich mich wieder und richte alle Aufmerksamkeit nach innen. Ich verliere mein Zeitgefühl. Irgendwann kehre ich von der Toilette nicht mehr zurück in den Türrahmen.

Direkt an der Badewanne bleibe ich stehen und gehe während der Wehen vom Stand in die tiefe Hocke. Zweimal schiebe ich das Baby auf diese Weise voran. Dann knie ich mich hin. Im Bad ist es schön kühl.

Mit der nächsten Wehe mache ich Geräusche, die meinen Mann veranlassen, gucken zu kommen. Die Augen geschlossen, höre ich seine Schritte nahen … Platsch …

„Das war schon mal die Fruchtblase!“ verkünde ich ihm.

Wir nutzen den Moment der Wehenpause für einen kurzen Dialog: „Ich hör mich gut an, hm? Wie beim Orgasmus!“

Ich muss über mich selber lachen. Mein Mann lacht auch: „Sogar noch besser!“

„Wow, ich spüre gerade die volle Dehnung! … Das Baby kommt gleich! … Hol schon mal den Fotoapparat!“

Dann gehe ich wieder nach innen. Mein Mann setzt nochmal an, etwas zu sagen und ich stoppe ihn:“Jetzt nicht quatschen!“

Ich gehe in die schiebende Welle mit hinein und gebe dem Baby gedanklich Impulse: „Du hast es gleich geschafft! Es ist gar nicht weit!  Nur ein paar Zentimeter!“

Ich spüre den Babykopf ganz sanft vom Muttermund zum Scheidenausgang gleiten. Intuitiv lege ich dem Baby meine Hand an den samtig weichen Kopf.  Wie wunderbar sich diese erste heilige Berührung anfühlt! Behutsam streiche ich über seinen Haarschopf und freue mich „Ok! Gut gemacht mein Baby!“

Mit der nächstfolgenden Schiebung durchfährt die Ekstase meinen Körper. Wenn das so aussieht, wie es sich anfühlt dann müssen wir diesen Moment fixieren! Und ich keuche „Oh …wow… Kannst Du das bitte festhalten?“ Mein Mann antwortet, „Ja ich fange es auf!“ und kniet sich sofort neben mich auf den Fliesenboden. Einen kurzen Moment überlege ich, wie ich das Missverständnis erklären soll, aber ich kann mich just in diesem Moment nicht verbal äußern. Ein kurzer Gedanke huscht durch mein Entscheidungszentrum „Ok, mein Liebster! Dann halte es fest! Dieses Mal darfst Du unsere Schöpfung als Erster entgegennehmen!“

Ich ziehe meine Hand vom Köpfchen zurück und übergebe an den Papa. Dann nehme  ich eine zarte Drehung wahr und wie das Köpfchen vollständig erscheint. Es wendet seinem Papa sein Gesichtchen zu und dieser flüstert in einer Begeisterung: „Oh! Wie eine Puppe! … Es hält ganz still! … Genauso, wie Du gesagt hast!“ (**)

Meinen Mann so verzaubert zu erleben, setzt meinem eigenen  Glücksrausch noch die Krone auf.

Jetzt noch einmal konzentrieren und dann darf ich es auch endlich sehen!

Mit der dritten Schiebung entgleitet sanft der gesamte Babykörper und ich wage es kaum, meine Augen zu öffnen.

Doch dann verlasse ich den Zustand der Ekstase und meine Augen erblicken ein Baby unter mir, welches sein Geschlecht sofort offenbart. „Ein Junge!“

Ich nehme ihn an mich und bewundere mit heller Stimme, wie hübsch er ist!

Als mir mein Mann mitteilt, dass es 3 Uhr ist, bekomme ich wieder eine Idee davon, in welchem Raum-Zeit-Gefüge wir uns gerade befinden.

Kurz darauf erwacht unser erstgeborener Sohn, um sein Brüderchen zu begrüßen. Im Laufe des Tages kommt auch die große Schwester aus den Ferien zurück und wir rücken als Familiehoch5 ganz neu zusammen.

Glücklich und dankbar für dieses wunderbare Erlebnis bedanke ich mich in aller Aufrichtigkeit bei

  • Mir selbst und meinem sagenhaften weiblichen Körper
  • Meinem lieben Mann, der seinen wissenschaftlichen Verstand für göttliche Erfahrungen hinten anstellt,
  • All meinen Augenöffnern und jenen, die mich lehren, insbesondere JZ und Ram
  • Und ebenso allen Skeptikern und Kritikern, die mir so wunderbare Botschafter sind.

(* Anmerkung für RSE-Students: Training = Candle Focus®+ Neighborhood Walk®)

(** Anmerkung: Meinem Mann fiel in diesem Moment der DURCHTAUCHREFLEX ein, von dem ich ihm erzählt habe)

6 Gedanken zu „Schmerzfreie Alleingeburt zum Zweiten“

  1. Was für ein wunderschöner Bericht! Toll, wenn man sich schon so über die allgemein übliche Meinung, eine Geburt sei sehr schmerzhaft, hinwegsetzen kann.
    So weit war ich leider noch nicht. Doch auch für mich fühlte es sich mehr wie ein Super-Orgasmus an, wenn auch ein schmerzhafter. Ich habe meinen Körper noch nie so sensibel erlebt. Die kleinste Berührung war 1000mal stärker als normal. Und jede Bewegung des Kindes war zu fühlen.

  2. „meine“ liebe Jobina,
    Ich sende die allerherzlichsten Glückwünschen und danke danke für diesen so heiligen Bericht, so voller Liebe und Hingabe, jedes Wort von dir ist mir ein so wundervolles Geschenk, Danke!

    PS: ich vermiss dich ein wenig, aber ich denk oft an Dich.

    Ganz liebe Grüße
    Viola

  3. Herzlichen Glückwunsch Jobina/Jorinde“ Es freut mich, dass du wieder eine schöne Geburt im Alleingang hattest! Das hast du wahnsinnig toll gemacht und schön geschrieben. Das Missverständnis mit dem „Kannst du festhalten?“ war sicher kein Zufall, es sollte wohl so sein und wird für deinen Mann sicher unvergesslich sein. Herrlich. Liebe Grüße Eileen/MorgaineDAvalon/Szandora

  4. Hallo Jobina!

    Kannst du bitte mal das „in die Kerze fokusieren“ ausführlich erklären?
    Einige Lehren und Geschichten von Ramtha, dem Erleuchteten kenne ich, doch diese noch nicht und sie könnte auch mir bezgl. der Geburt im November noch sehr weiterhelfen!
    Danke. 🙂

    1. Liebe Isabell,
      Du findest im Buch „Meisterin der Geburt“ eine Anleitung zu einer Kerzen-Meditation.

      Der originale Ramtha „candle-fokus“ in der Gesamtheit seiner Wirkung wird ausschließlich an RSE-Schulen vermittelt.

      Alle Liebe für Deine Geburtsreise

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